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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Und jetzt, nach dem Weltkriege, in dem das „wirtschaftliche Mo- ment" die für uns so furchtbare Schlußentscheidung gegeben, bedarf es wohl keiner weitern Ausführung, wie richtig damals meine Argu- mentationen gewesen. Ich wül mich durchaus nicht rühmen, daß ich die ungeheuere Bedeutung jenes Momentes in seiner ganzen prä- dominanten Bedeutung bis in die letzten Konsequenzen erkannt hätte, doch schwebten mir wenigstens die Grundlineamente vor Augen, die dann zwei Jahre später im fortgeschrittenen Stadium des Krieges eine ziemlich düettantenhafte Beachtimg fanden. Dies zeigt wohl, wie schwer man bei uns arbeitete, wenn man nur irgendwie von der Schablone abwich, und welch ganz außerordent- liches Maß an Tücke des Schicksals und der Menschen dazugehörte, damit diese beiden verdienstvollen Leistimgen in ihren Folgen für mich geradezu in das Gegenteil verkehrt werden konnten. Diese Vorkommnisse spielten sich in den Monaten März bis Juni ab. Es war für mich eine peinliche Zeit, um so mehr als etliche Blät- ter sich an Unflatergüssen nicht genug tun konnten. Doch alle diese Stimmen und selbst die Malicen, die im österreichischen Parlament für meine Person abfielen, fanden weder vom Ministerpräsidenten noch vom Landesverteidigungsminister^) die richtige Abfuhr. Es kam nur zum früher erwähnten Communique in den Tagesblättern. Mein Verlangen aber, im Klageweg gegen die Cziffra aufzutreten, auf daß ihre verleumderischen und lügenhaften Ausstreuungen in Grund und Boden zertreten würden, wurde von allen maßgebenden Stellen verhindert, indemman anmeinpatriotischesGefühl appellierte und auf die Gefahren hinwies, die für den Staat erwachsen könnten, wenn man den Gewehrverkauf noch weiter bespreche. Ein hoher Funktionär schickte mir sogar täglich seinen Abgesandten ins Haus, um mich zu beruhigen und vor irgendeinem unwillkommenen Schritt zurückzuhalten. Es gab sogar einige besonders gedeichselte Hypo- kriten, die schmunzelnd meinten: „Mein Gott, Auffenberg leidet aus Gründen der Staatsraison, die man nicht preisgeben darf. Das muß ihn trösten!" Unter all diesen Umständen schien mir's wie eine Erlösung, als die Zeit der Inspizierungen gekommen war und ich wieder bei den braven Truppen weüen durfte. Ich fuhr in das große Übungslager nach Benatek, wo die Truppen des IX. Korps die Bataillonsausbil- ^) Zu gleicher Zeit gab das Landesverteidigtuigsministerivun viele tausend blaugrauer Hosen verkaufsweise ab, die infolge Adjustierungsänderung nicht mehr zum Feldrüstungsstand zählten. Das war natürhch vollkommen sach- gemäß, und eine diesbezügUche Interpellation wies der Minister auch prompt zurück. Für mich aber, der ich mich im Parlament nicht verteidigen durfte, einzutreten, vermied man, weil es Unbequemlichkeiten bereitet hätte. 240
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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