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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Moränen, überKlüfteund steilansteigendeWändeglittendieSchwarm- linien nur so hinüber, und als das Regiment im Tal zumDefüement gestellt war, merkte man ihnen kaum die Ermüdung an. Eine kleine Gruppe junger Offiziere wollte ein besonderes Bravour- stück produzieren, verstieg sich dabei, so daß sie schließlich abgeseüt werden mußte. Das kleine Vorkommnis, das ohne Unfall abgelaufen war, wecktenurdasgutmütigeLachen derKameraden, legte aberdoch auch den Keim zu einem Klatsch, der, emsig weitergeleitet, schließ- lich das Ohr des Thronfolgers erreichte und dort die Begebenheit als eine von mir veranstaltete forcierte Tour darstellte. Da Franz Ferdinand einFeind jeglicherÜberforderungen war, konnten dieKol- porteure dieses Klatsches überzeugt sein, den Erzherzog gegen mich in Harnisch gebracht zu haben, womit der Zweck dieser allerliebsten kleinen Niederträchtigkeit bestens erreicht war. Brosch, über die Vorgänge beim Thronfolger stets gut informiert, verständigte mich schon wenige Tage danach, daß eine Verleumdungsmühle im flotten Gange sei. Auf der prächtigen Dolomitenstraße fuhr ich ins Pustertal, von dort über Villach und Klagenfurt nach Rutzing, wo ich mit meiner Familie drei friedliche, stilleWochen verbrachte. Ende August reiste ich dann wieder nach Wien, um den Beginn der Armeemanöver ab- zuwarten, bei denen ich die Partei ,,Rot" führen sollte, während General der Kavallerie von Brudermann zu meinem „blauen" Gegner bestimmt war. Indessen verdichteten sich die deutlichsten Anzeichen, daß ich mit einer von Tag zu Tag wachsenden Ungunst aller obersten Ingerenzen zu rechnen hätte. Am deutlichstenkam dies dadurch ziun Ausdruck, daß der Thronfolger mir schriftlich bekanntgeben ließ, ich dürfe die zu den Manövern in Divisionsgruppen heranrückenden Truppen nicht inspizieren. Dabei war seine Ansicht kaum verhüllt, daß ich über- haupt kein Inspizierungsrecht hätte. Ein Inspektor ohne' Inspizie- rungsrecht! Der Nonsens war zu groß, als daß er so gemeint sein konnte. Man wollte mir einfach verwehren, mit den Truppen imd Kommandanten, die ich bei den bevorstehenden Manövern zu führen hatte, in persönlichen Verkehr zu treten. Desgleichen wurde mir der als Armeegeneralstabschef zugeteilte Generalmajor Kraus ent- zogen, der sich damals eines besonderen Renommees erfreute. An dessen Stelle trat der weniger beliebte Generalmajor von Meczenseffy, mit dem ich aber bestens zufrieden war. Schon aus dem Grunde, weil er — zum Unterschied von vielen anderen Generalstabsoffi- zieren— ein durch und durch fester, nicht nach dem Winde steuern- der Mann war. 16» ' 243
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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