Page - 243 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Moränen, überKlüfteund steilansteigendeWändeglittendieSchwarm-
linien nur so hinüber, und als das Regiment im Tal zumDefüement
gestellt war, merkte man ihnen kaum die Ermüdung an.
Eine kleine Gruppe junger Offiziere wollte ein besonderes Bravour-
stück produzieren, verstieg sich dabei, so daß sie schließlich abgeseüt
werden mußte. Das kleine Vorkommnis, das ohne Unfall abgelaufen
war, wecktenurdasgutmütigeLachen derKameraden, legte aberdoch
auch den Keim zu einem Klatsch, der, emsig weitergeleitet, schließ-
lich das Ohr des Thronfolgers erreichte und dort die Begebenheit
als eine von mir veranstaltete forcierte Tour darstellte. Da Franz
Ferdinand einFeind jeglicherÜberforderungen war, konnten dieKol-
porteure dieses Klatsches überzeugt sein, den Erzherzog gegen mich
in Harnisch gebracht zu haben, womit der Zweck dieser allerliebsten
kleinen Niederträchtigkeit bestens erreicht war. Brosch, über die
Vorgänge beim Thronfolger stets gut informiert, verständigte mich
schon wenige Tage danach, daß eine Verleumdungsmühle im flotten
Gange sei.
Auf der prächtigen Dolomitenstraße fuhr ich ins Pustertal, von
dort über Villach und Klagenfurt nach Rutzing, wo ich mit meiner
Familie drei friedliche, stilleWochen verbrachte. Ende August reiste
ich dann wieder nach Wien, um den Beginn der Armeemanöver ab-
zuwarten, bei denen ich die Partei ,,Rot" führen sollte, während
General der Kavallerie von Brudermann zu meinem „blauen" Gegner
bestimmt war.
Indessen verdichteten sich die deutlichsten Anzeichen, daß ich mit
einer von Tag zu Tag wachsenden Ungunst aller obersten Ingerenzen
zu rechnen hätte. Am deutlichstenkam dies dadurch ziun Ausdruck,
daß der Thronfolger mir schriftlich bekanntgeben ließ, ich dürfe die
zu den Manövern in Divisionsgruppen heranrückenden Truppen nicht
inspizieren. Dabei war seine Ansicht kaum verhüllt, daß ich über-
haupt kein Inspizierungsrecht hätte. Ein Inspektor ohne' Inspizie-
rungsrecht! Der Nonsens war zu groß, als daß er so gemeint sein
konnte. Man wollte mir einfach verwehren, mit den Truppen imd
Kommandanten, die ich bei den bevorstehenden Manövern zu führen
hatte, in persönlichen Verkehr zu treten. Desgleichen wurde mir
der als Armeegeneralstabschef zugeteilte Generalmajor Kraus ent-
zogen, der sich damals eines besonderen Renommees erfreute. An
dessen Stelle trat der weniger beliebte Generalmajor von Meczenseffy,
mit dem ich aber bestens zufrieden war. Schon aus dem Grunde,
weil er — zum Unterschied von vielen anderen Generalstabsoffi-
zieren— ein durch und durch fester, nicht nach dem Winde steuern-
der Mann war.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918