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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Sprache aller Vertreter der obersten lycnkungen möglicherweise eine Entspannung angebahnt hätte. Eine Abschiedszeremonie, wenn man dies so nennen kann, fand eigentlich nur am Westbahnhofe in Wien statt. Die Generale und obersten Würdenträger versammelten sich an dem schwülen, düstern Abend des für das alte Österreich einst so verhängnisvollen 3. Juli. In der Halle trat Conrad zu mir und sagte ruhigen Tones, daß nun das verdiente Strafgericht über Serbien hereinbrechen würde. Ich stimmte bei, daß es verdient sei, meinte aber, daß man gewärtig sein müsse, daraus einen allgemeinen Brand entstehen zu sehen. Conrad warf ein, daß dies nicht die unbedingte Folge sein müsse, doch würde man gegebenenfalls auch dies mit in den Kauf nehmen. Da wies ich denn auf den von uns beiden so oft besprochenen und beklagten unfertigen Zustand der Armee, namentlich der Artülerie hin, der doch zu bedenken wäre, wenn man sich in einen Kampf auf lieben und Tod einließe. Conrad entgegnete, daß man mit dieser Tatsache wohl rechnen, den Moment aber doch nicht vorüberziehen lassen dürfe. Dieses mit gedämpfter Stimme geführte Gespräch ließ mich erkennen, daß der Krieg— mindestens beim Chef des General- stabes— eine beschlossene Sache sei. Ein fester Entschluß in großem Moment verdient immer ernsteste Beachtung. Tiefernsten Sinnes fuhr ich auch von dieser düstern Feier nach Hause. Bei der Fahrt passierte ich die Paulanergasse, wo vor den Fenstern der serbischen Gesandtschaft eine lebhafte Demonstration stattfand und die vorüberfahrenden Offiziere akklamiert wurden. Eine Straßen- szene, die sich bald tausendfach wiederholen sollte. Mein Urlaub fiel jetzt natürlich aus, dagegen wollte ich wenigstens noch einige meiner Tiroler Truppen inspizieren. Auf meine dies- bezügliche Anfrage erhielt ich— eigentlich zu meinem Erstaunen— die Mitteilung, daß ich nicht nur die Inspizierung, sondern auch die fürMitte Juligeplante Generalsübungsreise abhaltenmöge. Ichmußte daher annehmen, daß der eben geschüderte, sich so kräftig anlassende Entschluß wieder rückgängig gemacht worden sei. Dem war aber nicht so. Nur wollte man vorerst das Resultat der gerichtlichen Er- hebungen abwarten und dann erst an den letzten Schritt denken. Auf solch eine müitärpolitische Naivität wäre ich allerdings nicht verfallen. Also hing es eigentlich vom Untersuchungsrichter in Sara- jewo ab, ob der Weltkrieg zu beschließen sei oder nicht. So ver- säumte man, einer Formalität wegen, einen ganzen Monat und gab damit den einzigen Vorteü aus der Hand, den man den Russen vor- aus imd den man seit Dezennien als ausschlaggebend doziert hatte: die raschere Mobüisierung und Kriegsbereitschaft. 256
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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