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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Die oberste Schicht war weich geworden, was die Anstrengung wesent- lich vermehrte. Mit Ausnahme eines Generals, der mit dem Herzen zu tun bekam, hielten sich alle vortrefflich, besonders der allerdings noch jugendliche Erzherzog Josef Ferdinand und der gleich ihm tou- ristisch gewandte Generalmajor Herzberg. Genau sechs Wochen später zerriß ein Granatstück Körper und Leben dieses ausgezeich- neten Generals, unmittelbar bevor seine Truppen eine russische Ar- tillerielinie eroberten.— Beim Abstieg vom Paradiso kam's zu einer richtigen Abfahrt, wobei Erzherzog Josef Ferdinand und ich regel- recht karambolierten und schließlich kopfüber bei der ]\Iondrone- (Leipziger-) Hütte landeten. Der Erzherzog, liebenswürdig wie immer, ließ sich's nicht nehmen, mich vom Schnee zu reinigen. Abend und Nacht verbrachten wir bei Wind und Kälte sehr behaglich in der Hütte und hatten am folgenden Tag einen herrlichen Abstieg ins Genovatal. Die Mondronehütte ist mittlerweüe schon lange zu einem Schutthaufen zerschossen!— Den Schluß der Exkursion bildete ein mehrstündiger Ritt durch das wundervolle Val di Genova, der uns nach Pinzollo brachte, von wo wir nach gemeinsamem ]\Iahle in alle Richtungen heimwärts fuhren. Ich verbrachte noch einige Stunden in Bozen, wo mich Oberst Brosch besuchte. Wir sprachen lange über den Wandel der Zeiten, der durch den Tod des Thronfolgers einge- treten war. Dann trennten wir uns mit herzlichen Worten, und ich versprach, ihn zu besuchen, wenn ich im Herbst den Tiroler Übungen beiwohnen würde. Statt dessen standen wir in den Herbsttagen in schwerster Schlacht ^ und meinen Freund Brosch sah ich nie mehr wieder. Ich fuhr per Auto durch das Eisack- und Pustertal, sah die Gegen- den wieder, die ich 37 Jahre vorher als Kriegsschüler, gewissermaßen als fahrender Scholast durchwandert hatte, und landete schließlich in Rutzing. Da seit dem erschütternden Ereignis von Sarajewo nun fast vier Wochen verflossen waren und— trotz Conrads Andeutung— kein erkennbarer Schritt imternommen worden war, glaubte ich felsen- fest, daß es auch weiterhin zu nichts Bedeutendem kommen würde. So mutete es mich förmlich befremdend an, als ich gelegentlich eines kleinen Ausfluges nach Bischoflack in einer illustrierten Zeitung mich, gleich den andern Armeeinspektoren, als künftigen Führer abgebildet sah. Jedenfalls störte dies meine Ruhe in keiner Weise. Da— am 24. Juli, es war just ein Freitag, als wir in Rutzing, um den Kindern meiner Schwägerin einen Spaß zu machen, im Grase beim Erdäpfelbraten zusammensaßen, kam in eiliger Fahrt mein Schwager zu Rad daher, ein Zeitungsblatt hoch in der Hand haltend. 17* 259
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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