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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ausdehnung des Krieges. Es erschien mir damals schon ganz un- begreiflich, wie man sich der Täuschung hingeben oder nur die Mög- lichkeit in Betracht ziehen konnte, daß es sich um etwas anderes handeln würde, als um das größte kriegerische Ereignis, das je über den Erdball hinweggefegt war. Zum mindesten vondemMomente an, da man die immerhin einlenkende Antwort Serbiens mit Entschie- denheit zurückgewiesen hatte, mußteman doch wissen, wie die Dinge laufen würden. Höchstens über die Art der Mächtegruppierung hätte noch ein Zweifel bestehen können, zumal für jene, die über das diplo- matische Kulissenspiel nicht orientiert waren. Allerdings sollte es sich bald erweisen, daß auch die berufsgemäß Orientierten unorien- tiert waren. Als charakteristisches Moment führe ich ein Gespräch mit dem Gardekapitän, General der Kavallerie Graf Uxküll, am Abend des 28. Juli an. Der hohe General, der zwar keinen prominenten Dienst- posten innehatte, doch immerhin über die Stimmung bei Hof unter- richtet war und überdies durch viele Jahre den Posten eines Müitär- bevoUmächtigten am Petersburger Hofe bekleidet hatte, versicherte mir noch in jenem Zeitmomente, daß er ein Eingreifen Rußlands für ausgeschlossen halte. Auf meinen Einwand, die Nachrichten über die russischen Mobilisierungen könnten doch keineswegs mehr be- stritten werden, meinte er, daß solche nie ernst zu nehmen seien und nur den Wert eines Bluffs besäßen. Leider Gottes hatte man in den maßgebenden Kreisen auch so gedacht, weü man's eben so gewünscht hatte. Doch das Volk dachte in jenen Stunden wohl anders, was sich in allabendlichen Demon- strationszügen fast mit elementarer Gewalt kundgab. Allerdings auch da in der angegebenen Richtung. Immer wie man's eben wünschte. Daß es dabei zu lärmenden Akklamationen vor dem deutschen Bot- schafterpalais kam, war nrur natürlich. Doch schlössen sich daran auch Kundgebungen vor der italienischen Botschaft und der rumä- nischen Gesandtschaft an, denen ab und zu auch solche vor dem ja- panischen Palais folgten. Es dauerte geraume Zeit, bis man endlich einsah, in welch grausamem Irrtum man sich befand. Meine Familie war vom Lande heimgekehrt, und da es nun wohl keinem Zweifel mehr unterliegen konnte, daß das Flämmchen sich zu einer mächtigen Flamme entwickeln werde, gingen wir alsbald daran, die persönlichen Kriegsvorbereitungen zu treffen. Es wurde vor allem ein drittes Reitpferd, eine importierte irische Stute, zwei Wagenpferde und ein Gepäckswagen angekauft. Weiters ein Kanzlei- zelt, dessen mobile aufpackbare Einrichtung ein patriotischer Groß- industrieller dem Armeekommando kostenlos beistellte. 262
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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