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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Natürlich woben jene Tage auch reichlichen Stoff für die wag- halsigsten und konträrsten politischen Kombinationen und Erwä- gungen. Und sie warenum so mannigfaltiger, als eigentlich niemand etwas Bestimmtes wußte,— höchststehende und berufenste Würden- träger nicht ausgenommen. Zu unserer engsten Gesellschaft zählte beispielsweise Oberstleutnant C. Er wußte alles, was man im aus- wärtigen Ministerium und im Kriegsministerium kannte und er- kannte. Es wechselte kaleidoskopartig. Alle möglichen Kombina- tionen zeigten oder ergaben sich, bis endlich die traurige Wahrheit die Oberhand gewann, daß die beiden Kaisermächte allein dastünden in einer sie starr umgebenden Welt von Feinden. Besonders bezüg- lich Italiens und Rumäniens wechselten Hausse und Baisse täglich, und wenn es eine Entschuldigung für die dann folgenden mili- tärischen Fehler gibt, muß man sie vornehmlich in der Unorientiert- heit der äußern politischen Leitung suchen. Die Erkenntnis all dieser Mängel löste von allem Anfang an die schwersten Bedenken in mir aus. Auch die immer deutlicher her- vortretende Gruppierung der Armee in zwei nur wenig verschiedene Teile wollte mir nicht gefallen : gegen Rußland drei stärkere Armeen —I., 3., 4.— mit etwa 23 Divisionen, gegen Serbien drei schwächere Armeen— 2., 5., 6.— mit etwa 18 Divisionen, während für zwei Korps— III. und XII.— die Entscheidung noch ausstand. In jenen Tagen ereignete sich auch folgender Zwischenfall, der von bemerkenswerter politischer Naivität zeugt. Im steyerischen Bad Gleichenberg befand sich der serbische oberste Heerführer, der Vojvode Putnik. Auf der Rückfahrt wurde er in Budapest angehalten und interniert, da die Beziehungen mit Ser- bien schon abgebrochen waren. Da kam von maßgebender Stelle der Befehl, ihn frei passieren zu lassen! Wohl selten dürfte in der Geschichte der Fall zu verzeichnen sein, daß die eine Partei bei Be- ginn des Krieges sich der Person des gegnerischenOberkommandanten versichern konnte. Und zwar eines Oberkommandanten, der sich als solcher schon bewährt hatte und in derArmeeundimLandedas aller- größte Vertrauen und Ansehen genoß. Solch ein überkostbares Pfand mit einer vornehmseinsoUenden Geste aus der Hand zu geben, ist doch ein Beweis einer geradezu seltenen politischen und militärischen Unklugheit, die sich dann auch aufs bitterste gerächt hat.— Am Nachmittag des 30. Juli sahen wir, meine Familie und ich, der Vereidigung und dem Abmarsch des Belovarer Infanterieregi- mentes Nr. 16 in der nahegelegenen Schwarzenbergkaserne zu. Eine weihevolle Stunde, die besonders den Frauen Tränen erpreßte. Das brave schöne Regiment bedeckte sich dann in vielen heißen Schlacht- 264
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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