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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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erhob ich dann auch den mit schlichtem Landv/ein gefüllten Becher im Kreise meines engeren Stabes zum treuen Gedenken der Helden, die in den opfervollen Kämpfen dahingesunken waren. Am 8. erfolgte die Abreise ins Feld. Klnapp vorher sah ich noch vor dem Kriegsministerium dem Defilement der 25. Landwehrbrigade zu. Sie bildete einen Bestandteil meiner Armee. Ihre beiden Regi- menter— I imd 24— präsentierten sich ausgezeichnet. Nur die geringe Anzahl Offiziere berührte peinlich. In den Kämpfen schlugen sich die Regimenter dann tapfer und brav. Das Defilement nahm Erzherzog Friedrich ab, in dessen Suite sich der Chef des General- stabes und der Landesverteidigungsminister befanden. Wir wechsel- ten nur wenige Worte. Mich zog's nach Hause, um von meiner Fa- milie Abschied nehmen zu können. Ich schied schweren Herzens. Die Trennung von den Meinen und in erster Linie die Sorge um die Zukunft des Staates stimmten mich ernst. Im Verlaufe der Fahrt zwang ich mich zu äußerlicher Heiter- keit und nahm mit lächelnder Miene in den verschiedenen Stationen die Huldigung der Bevölkerung entgegen, die, wenigstens im Anfange, allen durchpassierenden Transporten zuteil wurde. Die letzte in Brzesko (Galizien), wo wir dafür eine dreistündige Verspätimg eiri- heimsten. Eine Ortsnotabilität sprach mir einen besonders schwung- vollenWülkommgruß ausund prophezeite dabei, ,,es werde gewiß gut gehen, denn es würden gegen die Russen zwei Armeen kämpfen, die österreichische und — die polnische!" Drollig und bezeichnend. Allerdings zogen letzten Endes tatsächlich die Polen den größten Vorteil aus dem Weltbrande. Mein Armeestab hatte die normale Zusammensetzung, desgleichen jener des Armee-Etappenkommandos. Ich hatte im Vorjahr bei den Armeemanövern von Tabor schon die Erfahrung gemacht, daß die organischen Bestimmungen für den Dienstbetrieb bei den höheren Kommanden im Felde, besonders bei den Armeekommanden, nichts weniger als glücklich verfaßt waren. In der Stille imd Heimlichkeit des operativen Büros des Generalstabes zusammengestellt, gaben sie diesem eine vorherrschende Position, die mit allen Mitteln den Ein- fluß und das Geltungsgebiet des wirklichen Kommandanten herab- zumindern trachtete. Dies resultierte aus dem dezennienlangen Be- streben, dem Generalstabe eine prädominierende Stellung ä outrance zu schaffen und ihn gewissermaßen zu einem Staat im Staate zu machen. Sehr zum Schaden der Sache. Dazu kam noch, daß durch die modernen, allerdings ganz unerläßlichen Verbindungsmittel, die dem Generalstab unterstanden, namentlich durch das Telephon, den Generalstabsabteilungen rein technisch und mechanisch eine Gewalt 266
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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