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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Im Hof traf ich den Thronfolger, Erzherzog Karl Franz Josef, munter und wohlgemut, wie im Korpsmanöver. Schließlich sprach ich noch mit meinem einstigen Widerpart in der Delegation, Grafen Heinrich Clam-Martinic, der vorerst noch als Ordonnanzoffizier beim Armeeoberkommando eingestellt war, kurze Zeit danach aber in meine Armee kam. Auch der deutschen Militärmission begegnete ich Generalleutnant Baron Freytag-Iyoringhoven, Graf Kageneck und ein höherer Generalstabsoffizier. Sie schienen auch nicht frohester Laune, dürften just damals die ersten unerfreulichen Nachrichten aus Ost- preußenerhaltenhaben. Soverließ ichPrzemyslgedrückterStimmung. Wasman da sah und fühlte, konnte einen unmöglich über dieSchwere hinwegtäuschen, die sich auf die Situation herabzusenken begann. An diesem Tage schrieb ich in mein Tagebuch: ,,Wir stehen nicht günstig. Der Krieg ist schlecht vorbereitet und schlecht eingeleitet. Auch ist das topographische Element gegen uns. Überdies stellt sich die ganze Welt auf Seite unserer Feinde, hat ja sogar Japan Deutsch- land den Krieg erklärt!" Nachmittags sandte ich Oberstleutnant Bogusz aufs Gefechtsfeld der 6. Kavallerietruppendivision. Er kam mit gutenNachrichtenheim und brachte einen Kosakenoffizierssäbel samt Mütze mit— beide funkelnagelneu, dem Offizierskasino in Tomaszow entnommen, das von seinen Bewohnern in panischer Flucht verlassen worden war. Für den Weitermarsch der Armee ließ ich eine vollkommene Links- schwenkung nach der Karte studieren, da ich das Gefühl hatte, die Notwendigkeit dafür würde eintreten. Einen eigenartigen Zwischenfall möchte ich scherzweise erwähnen. Ich saßamKartentisch mit aufgestütztemKopfe und hielt eine einge- tauchteFeder in derHand. Da fiel einKlecks aufdieKarte. Indiesem Augenblicke blitzte es mirdurchdenSinn, daß dort der entscheidende Punkt liegen würde: zwei Kilometer östlich Dub, bei Komaröw, ein Raum, dem damals noch niemand besondere Bedeutung beimessen konnte. Und just an jener Stelle war dann in der Schlacht tatsäch- lich der wichtigste Punkt, der vom linken Armeeflügel auch bereits erreicht wurde imd unbedingt zur Kapitulation von vielen Tausenden Russen geführt hätte, wenn nicht— doch davon später! Der Abend fand uns gemütlich beisammensitzend. Nur die Situa- tion in Serbien erregte unserenUnmutund wurde lebhaft besprochen, Liebe Briefe kamen von Hause. Man wird so anders im Felde, in vieler Hinsicht weit besser als unter normalen Verhältnissen. Nur darfman nicht weich werden. Zum mindesten nicht als hoher Führer in verantwortlicher Stellung. Dessen schalt ich mich und verbrannte die Briefe. 284
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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