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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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geht einfach geradeaus zurück und wird in ihrer ganzen Flanken- ausdehnung durch meine Armee gedeckt. Pressungen werden gewiß auch dort vorkommen, doch fühlt sie 3. Armee noch nicht." „Bezüglich der Unglücksbotschaft, Einbruch einer feindlichen Ko- lonne in mein Echiquier, kann ich bis in die ersten Vormittagsstunden keine Klarheit bekommen. Glaube immer weniger daran. Wie ein Alp drückt mich aber der Gedanke, daß durch die kolossalen Train- schoppungen, die ich gestern persönhch beobachtet habe, rückmar- schierende Kolonnen in eine fortlaufende Kettevon Nachhutgefechten verwickelt werden und schließlich volle Desorganisation Folge sein kann. Da heißt's, Entschluß fassen. Frage steht offen: Train oder Truppe! Da ist wohl jeder Zweifel ausgeschlossen. Gebe daher 9 Uhr vormittag folgenden Befehl aus: ,Nachhutgefechte zur Deckung der Trains dürfen nicht geführt werden. Die ärarischen Trains sind zu bergen. Wenn Landestrains nicht zurückgeschafft werden können, so sind die Vorräte tunlichst an vorbeipassiernde Truppen abzugeben. Die Bespannung zurückführen, die Fuhrwerke aber in die Kommuni- kationen, zu deren Verrammelung hineinpressen.'" Ich begab mich also bewußt und gewollt eines Teües meines Trains, und gab hierzu auch persönlich und schriftlich den strikten Befehl, um alleUnterkommandantenvon jeglicherVerantwortungzuentlasten Ich habe seither über diese Verfügung schon aus dem Grunde hundertfach nachgedacht, als man mir in Laien-, doch auch in Fach- kreisen darüber die vielseitigsten Vorwürfe gemacht hat. Allerdings ging die Anregung hierzu hauptsächlich von jener mir feindlich ge- sinnten Clique beim Armeeoberkommando aus, der ich, ohne es mir erklären zu können, stets b&te noire war, und die nichtmüde wurde, gegen mich zu intrigieren. Doch das ändert nicht, daß ich auch heute der vollsten Überzeugung bin, damals die einzig richtige Maßnahme getroffen zu haben. Ich vermag ziffernmäßig nicht genau anzugeben, wieviel an Train verloren ging, doch wenn ich damals— einige Tage später— die endlos dahinroUenden Trainkolonnen ansah, zwischen denen sich die Truppen völlig nur wie Bedeckimgen ausnahmen, hatte ich das Gefühl, daß die Traineinbuße nur eine minimale war. Die Feldherren aller Zeiten hatten sich im kritischen Moment stets nurum die Rettimg ihrer Truppen, nieum die des Trains gekümmert, den man relativ leicht ersetzen kann. (Blücher hatte vor Leipzig seinen ganzen Train geopfert, um die Operationslinie zu wechseln, und war doch Blücher geblieben.) Hier war solch ein kritischer Mo- ment erster Ordnung gegeben, in den nicht ich die Armee versetzt hatte, aus dem ich aber die Konsequenzen ziehen mußte. Dies tat ich festen Entschlusses und brachte die Armee zurück imd über den 366
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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