Page - 366 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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geht einfach geradeaus zurück und wird in ihrer ganzen Flanken-
ausdehnung durch meine Armee gedeckt. Pressungen werden gewiß
auch dort vorkommen, doch fühlt sie 3. Armee noch nicht."
„Bezüglich der Unglücksbotschaft, Einbruch einer feindlichen Ko-
lonne in mein Echiquier, kann ich bis in die ersten Vormittagsstunden
keine Klarheit bekommen. Glaube immer weniger daran. Wie ein
Alp drückt mich aber der Gedanke, daß durch die kolossalen Train-
schoppungen, die ich gestern persönhch beobachtet habe, rückmar-
schierende Kolonnen in eine fortlaufende Kettevon Nachhutgefechten
verwickelt werden und schließlich volle Desorganisation Folge sein
kann. Da heißt's, Entschluß fassen. Frage steht offen: Train oder
Truppe! Da ist wohl jeder Zweifel ausgeschlossen. Gebe daher 9 Uhr
vormittag folgenden Befehl aus: ,Nachhutgefechte zur Deckung der
Trains dürfen nicht geführt werden. Die ärarischen Trains sind zu
bergen. Wenn Landestrains nicht zurückgeschafft werden können, so
sind die Vorräte tunlichst an vorbeipassiernde Truppen abzugeben.
Die Bespannung zurückführen, die Fuhrwerke aber in die Kommuni-
kationen, zu deren Verrammelung hineinpressen.'"
Ich begab mich also bewußt und gewollt eines Teües meines Trains,
und gab hierzu auch persönlich und schriftlich den strikten Befehl,
um alleUnterkommandantenvon jeglicherVerantwortungzuentlasten
Ich habe seither über diese Verfügung schon aus dem Grunde
hundertfach nachgedacht, als man mir in Laien-, doch auch in Fach-
kreisen darüber die vielseitigsten Vorwürfe gemacht hat. Allerdings
ging die Anregung hierzu hauptsächlich von jener mir feindlich ge-
sinnten Clique beim Armeeoberkommando aus, der ich, ohne es mir
erklären zu können, stets b&te noire war, und die nichtmüde wurde,
gegen mich zu intrigieren. Doch das ändert nicht, daß ich auch heute
der vollsten Überzeugung bin, damals die einzig richtige Maßnahme
getroffen zu haben. Ich vermag ziffernmäßig nicht genau anzugeben,
wieviel an Train verloren ging, doch wenn ich damals— einige Tage
später— die endlos dahinroUenden Trainkolonnen ansah, zwischen
denen sich die Truppen völlig nur wie Bedeckimgen ausnahmen,
hatte ich das Gefühl, daß die Traineinbuße nur eine minimale war.
Die Feldherren aller Zeiten hatten sich im kritischen Moment stets
nurum die Rettimg ihrer Truppen, nieum die des Trains gekümmert,
den man relativ leicht ersetzen kann. (Blücher hatte vor Leipzig
seinen ganzen Train geopfert, um die Operationslinie zu wechseln,
und war doch Blücher geblieben.) Hier war solch ein kritischer Mo-
ment erster Ordnung gegeben, in den nicht ich die Armee versetzt
hatte, aus dem ich aber die Konsequenzen ziehen mußte. Dies tat
ich festen Entschlusses und brachte die Armee zurück imd über den
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918