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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ich sitze gegen Abend in meinem Zimmer mit Arbeit beschäftigt, als mir Erzherzog-Oberkommandant und Thronfolger Erzherzog Karl Franz Josef gemeldet wurden. Hinabeilend, treffe ich beide Hoheiten in dem Flur. Sie begeben sich zu mir hinauf. Dieser Besuch war die technische Einleitung meiner Amovierung. Erzherzog-Oberkommandant, äußerlich herzlich und freundlich, fragte nach meinem Befinden und überreichte mir das Großkreuz des Leopoldordens. Ich war überrascht, und— trotz meiner Skep- sis— ein wenig geschmeichelt, da ich in dieser persönHchen Überrei- chung ein Zeichen besonderer Anerkennung zu erblicken glaubte^). Ich dankte mit ergebenen Worten. Dann nahmen wir Platz und besprachen die Situation in allgemeiner Weise. Erzherzog Friedrich zeigte sich schwer besorgt, sah schwarz in schwarz und meinte, daß die Armeen noch eine ganze Woche brauchen würden, um wieder vollkommen operationsbereit zu sein. Ich konnte ihm nicht wider- sprechen, da diese Anschauung mit der meinen ganz parallel lief, doch gab ich der Hoffnung Ausdruck, daß sich letzten Endes noch alles gut lösen würde. Ich hätte es einfach für unwürdig und unver- antwortlich gehalten, meinem Oberkommandanten ein X für ein U vorzumachen und mich etwa in konventioneller Schönfärberei über voUe Bereitschaft zu ergehen. Ich sah jene Frage eben als eine tief ernste an. Ich selbst fragte den Erzherzog, wie es denn eigentlich mit der 2. und 3. Armee bei Rawa Ruska gewesen war. Warum diese nicht mehr Raum gewonnen hätten, da ich doch zwei Drittel der russischen Kräfte auf meine Armee gezogen hatte. Ohne in Details einzugehen, meinte der Oberkommandant: ,,Man kann ihnen keinen Vorwurf machen!" Worauf ich nur andeutete, daß meine Armee ihr Äußerstes getan hatte. Dann berichtete ich, daß der Schwiegersohn des Erzherzogs, Prinz Elias von Parma, Generalstabsoffizier bei der 25. Infanterietruppendivision, sehr gut arbeite und für eine Deko- ration eingegeben sei. Dies schien Erzherzog Friedrich zu erfreuen. Nach dieser Konversation, die im ganzen kaum zehn Minuten ge- dauert haben mochte, verabschiedeten sich beide Erzherzoge. Ich begleitete sie barhaupt bis auf die Straße. Aus dieser kurzen Unterredung zog dann der Oberkommandant die weitgehendsten Konsequenzen. Tagebuch: ,,Unstimmigkeiten bezüglich der zu befestigenden Ge- fechtsfront zwischen dem IX. und dem XVII. Korps. Ist von hier 1) Und merkwürdig ! Kiirze Zeit früher hatte ich in irgendeinem Memoiren- werk den Vermerk gelesen, daß der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm 1866 am Tage von Tobitschau in dasHauptquartier des Generals Steinmetz geritten war,umdem Sieger vonNachod vmd Skalitz den Orden Pour le m6rite persönlich zu überreichen. Daran erinnerte ich mich in jenem Moment. 380
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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