Page - 380 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ich sitze gegen Abend in meinem Zimmer mit Arbeit beschäftigt,
als mir Erzherzog-Oberkommandant und Thronfolger Erzherzog Karl
Franz Josef gemeldet wurden. Hinabeilend, treffe ich beide Hoheiten
in dem Flur. Sie begeben sich zu mir hinauf.
Dieser Besuch war die technische Einleitung meiner Amovierung.
Erzherzog-Oberkommandant, äußerlich herzlich und freundlich,
fragte nach meinem Befinden und überreichte mir das Großkreuz
des Leopoldordens. Ich war überrascht, und— trotz meiner Skep-
sis— ein wenig geschmeichelt, da ich in dieser persönHchen Überrei-
chung ein Zeichen besonderer Anerkennung zu erblicken glaubte^).
Ich dankte mit ergebenen Worten. Dann nahmen wir Platz und
besprachen die Situation in allgemeiner Weise. Erzherzog Friedrich
zeigte sich schwer besorgt, sah schwarz in schwarz und meinte, daß
die Armeen noch eine ganze Woche brauchen würden, um wieder
vollkommen operationsbereit zu sein. Ich konnte ihm nicht wider-
sprechen, da diese Anschauung mit der meinen ganz parallel lief, doch
gab ich der Hoffnung Ausdruck, daß sich letzten Endes noch
alles gut lösen würde. Ich hätte es einfach für unwürdig und unver-
antwortlich gehalten, meinem Oberkommandanten ein X für ein U
vorzumachen und mich etwa in konventioneller Schönfärberei über
voUe Bereitschaft zu ergehen. Ich sah jene Frage eben als eine tief
ernste an. Ich selbst fragte den Erzherzog, wie es denn eigentlich
mit der 2. und 3. Armee bei Rawa Ruska gewesen war. Warum diese
nicht mehr Raum gewonnen hätten, da ich doch zwei Drittel der
russischen Kräfte auf meine Armee gezogen hatte. Ohne in Details
einzugehen, meinte der Oberkommandant: ,,Man kann ihnen keinen
Vorwurf machen!" Worauf ich nur andeutete, daß meine Armee ihr
Äußerstes getan hatte. Dann berichtete ich, daß der Schwiegersohn
des Erzherzogs, Prinz Elias von Parma, Generalstabsoffizier bei der
25. Infanterietruppendivision, sehr gut arbeite und für eine Deko-
ration eingegeben sei. Dies schien Erzherzog Friedrich zu erfreuen.
Nach dieser Konversation, die im ganzen kaum zehn Minuten ge-
dauert haben mochte, verabschiedeten sich beide Erzherzoge. Ich
begleitete sie barhaupt bis auf die Straße.
Aus dieser kurzen Unterredung zog dann der Oberkommandant
die weitgehendsten Konsequenzen.
Tagebuch: ,,Unstimmigkeiten bezüglich der zu befestigenden Ge-
fechtsfront zwischen dem IX. und dem XVII. Korps. Ist von hier
1) Und merkwürdig ! Kiirze Zeit früher hatte ich in irgendeinem Memoiren-
werk den Vermerk gelesen, daß der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm
1866 am Tage von Tobitschau in dasHauptquartier des Generals Steinmetz
geritten war,umdem Sieger vonNachod vmd Skalitz den Orden Pour le m6rite
persönlich zu überreichen. Daran erinnerte ich mich in jenem Moment.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918