Seite - 391 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Zeit bemerkt haben will. Stimme mit ihm überein, daß man mög-
licherweise Sündenbock für Rawa Ruska—Grodek braucht. Zum
mindesten sucht. Den werde ich ihnen aber nicht abgeben. Es wird
die Zeit schon wieder kommen, wo man reden kann,wo sie einen
reden lassen müssen! Dann werde ich auch reden! Habe nicht das
Zeug zu einem Benedek. Habe übrigens auch keine Schlacht ver-
loren. Gegen das Abenteuer von Rawa Ruska—Grodek hat sich mein
gesunder, operativer Sinn vom ersten Moment an gesträubt."
,,Mein Flügeladjutant, Oberstleutnant von Bogusz, wie stets er-
geben, bittet mich in seiner aufrichtigen, geraden, etwas herben Art,
in Wien meinen Standpunkt kräftigst zur Geltung zu bringen, damit
wenigstens äußerliche Genugtuung erfolge. Die Wiener Regierungs-
künste und -künstler kennend, werde ich schon wissen, welche Saiten
ich aufzuziehen habe!" (Hab's dann doch nicht genügend getroffen.)
,,Vor dem Abendessen kommt Graf Clam. Wie so oft besprechen
wir auch diesmal die militärische und die allgemeine Lage. Ich habe
mich ihm gegenüber meist ziemlich freimütig ausgesprochen. Waren
auch gewöhnlich gleicher Anschauung. Vielleicht ist es nicht klug
gewesen, mir kein Blatt vor den Mund zu nehmen."
„Letzter Abend im Kreise Armeehauptquartiers. Ruhig, ernst,
abgeklärt! Vanitas vanitatum et omnia vanitas!"
,,i. Oktober. Regen, Regen!
. . . ,Zum Abschiednehmen just das
rechte Wetter.
. . .' Um 9 Uhr kommt Krauß mit Telegramm des
Armeeoberkommandos, daß mein Nachfolger, Erzherzog Josef Fer-
dinand, um II Uhr zur Kommandoübernahme eintreffen wird. Das
ging rasch. Tuen wir desgleichen. Einpacken."
„Kurz vor der Abschiedsvorstellung des großen Stabes bringt mir
Generalstabshauptmann Aichinger einen mächtigen Bund russischer
Achselklappen. Von den meisten Regimentern, davon meine Armee
Gefangene eingebracht hat. 44 Stück. Hübsche Zahl und seltene
(bisher einzig dastehende) Trophäe. Wird mir daheim Reliquie und
historische Erinnerung sein."
„Das Herz ist mir schwer. Wünsche voll Rührung meiner braven
Armee alles Glück!"
„Treffe AutomobÜisten Oberleutnant Gurschner. Bittet mich,
Kopfmedaüle für Wiener Rathaus anfertigen zu dürfen." (Ist dann
natürlich nicht geschehen.)
„Um II Uhr kommt Erzherzog Josef Ferdinand. Kurze Bespre-
chung. Er sagt, daß ervollkommenüberraschtgewesen sei usw. usw.
Da Erzherzog Friedrich am 27. bei ihm zu kurzem Besuch gewesen,
also zu einer Zeit, womeineAmovierungschonlange beschlossen, so ist
esschwerzuglauben. WünscheihmdasBestefürseineweiterenWege."
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918