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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ich traf auch einen hochintelligenten Offizier des 13. Dragoner- regimentes, das bei der 9. Kavallerietruppendivision eingestellt war, jener Division, die in der Schlacht bei Komarow die Rückendeckung der eingeschwenkten Gruppe Erzherzog Peter Ferdinand zu besorgen gehabt und sich ihrer Aufgabe in wenig entsprechender Weise ent- ledigt hatte. Dieser Offizier hatte sein Tagebuch genau und detail- liert geführt. Daraus entnahm ich nun, daß in der kritischen Zeit, am 30. und 31. August, die Division wohl viel herumrochiert, doch in keine entscheidende Aktion getreten war, trotzdem man gewußt hatte, um was es sich handelte. Dies ging aus der Bemerkung her- vor: ,,Wir marschieren ostwärts, wo Auffenberg die Russen einge- zwickt hat!"— Wenn ein Oberleutnant bei der Eskadron es gewußt hat, so dürfte es— sollte man meinen— doch auch beim Stab der Kavallerietruppendivision und ganz gewiß auch in jenem des Erz- herzogs Peter Ferdinand bekannt gewesen sein!^) Am Semmering suchte mich auch eine Deputation der kroatischen Rechts- (Frank-) Partei auf, mir ihre schweren politischen Bedenken vortragend. Ich konnte ihnen leider nicht helfen und mußte sie an die Kabinettskanzlei weisen, wo sie günstigen Falles einige vage Ver- sprechungen erhalten haben dürften. Auch der bekannte Historiker Dr. Heinrich Friedjung besuchte mich. Ich erzählte ihm unter anderem die Schöpfungsgeschichte der 30,5 cm-Automörser, die er in einem Artikel des Wiener Tageblattes veröffentlichen wollte. Doch die militärische Zensur verbot es ! Damit war das Kesseltreiben der offiziellen Zensur gegen mich eröffnet, die nie mehr etwas durchließ, was mich— im günstigen Sinne— betraf. So hätte man z. B. die große Schlacht von Komarow am liebsten aus dem Gedächtnis der Zeitgenossen eliminiert! Wohl der Duodezkönigreich Piemont war dieGroßmacht Italien geworden, und nichts als militärische Niederlagen bezeichnen diesenWeg zur Größe. Das fühlten sie alle bis zmn letztenLazzarone hinunterimd lechztennach den feilenLorbeeren, für die sich— so glaubten sie— kein günstigerer Moment ergeben konnte, als jener, indem die sinkende Doppelmonarchie im Kampf aufTod und Leben stand. Und sie täuschten sich doch, denn selbst in seinem Untergang war das alte Reich noch stark genug, diesen Erzfeind zwölfmal niederzuwerfen. Seine vSucht nach Gloire über den mm entschwtmdenen Doppelaar wird für alle Zeiten imgestillt bleiben, tmd es äußert sichdawieder die so oftzubeobachtende Ironie undSatyre des Geschicks, daß esdenbrennendstenWunschauchdannzu versagen weiß, wennes ansonsten ein ganzesFüllhornvonGlücksgabenauf das Haupt eines Volkes— oder auch eines Menschen— schüttet. ,,ItaHa farä da se"— dieser Wunschausspruch Cavomrs ist nie iii ErfüUimg gegangen; immer waren es mu: Italiens Allüerte, die dessen große Aspirationen verwirkHchten. 1) Im Laufe der Jahre habe ich in viele Kriegstagebücher junger Offiziere Einsicht genommen imd fand hierbei, daß just solche, die von Kavallerie- offizieren geführt wurden, wertvolle imd hochinteressante Details brachten. 407
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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