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Ich traf auch einen hochintelligenten Offizier des 13. Dragoner-
regimentes, das bei der 9. Kavallerietruppendivision eingestellt war,
jener Division, die in der Schlacht bei Komarow die Rückendeckung
der eingeschwenkten Gruppe Erzherzog Peter Ferdinand zu besorgen
gehabt und sich ihrer Aufgabe in wenig entsprechender Weise ent-
ledigt hatte. Dieser Offizier hatte sein Tagebuch genau und detail-
liert geführt. Daraus entnahm ich nun, daß in der kritischen Zeit,
am 30. und 31. August, die Division wohl viel herumrochiert, doch
in keine entscheidende Aktion getreten war, trotzdem man gewußt
hatte, um was es sich handelte. Dies ging aus der Bemerkung her-
vor: ,,Wir marschieren ostwärts, wo Auffenberg die Russen einge-
zwickt hat!"— Wenn ein Oberleutnant bei der Eskadron es gewußt
hat, so dürfte es— sollte man meinen— doch auch beim Stab der
Kavallerietruppendivision und ganz gewiß auch in jenem des Erz-
herzogs Peter Ferdinand bekannt gewesen sein!^)
Am Semmering suchte mich auch eine Deputation der kroatischen
Rechts- (Frank-) Partei auf, mir ihre schweren politischen Bedenken
vortragend. Ich konnte ihnen leider nicht helfen und mußte sie an
die Kabinettskanzlei weisen, wo sie günstigen Falles einige vage Ver-
sprechungen erhalten haben dürften.
Auch der bekannte Historiker Dr. Heinrich Friedjung besuchte
mich. Ich erzählte ihm unter anderem die Schöpfungsgeschichte der
30,5 cm-Automörser, die er in einem Artikel des Wiener Tageblattes
veröffentlichen wollte. Doch die militärische Zensur verbot es ! Damit
war das Kesseltreiben der offiziellen Zensur gegen mich eröffnet,
die nie mehr etwas durchließ, was mich— im günstigen Sinne—
betraf. So hätte man z. B. die große Schlacht von Komarow am
liebsten aus dem Gedächtnis der Zeitgenossen eliminiert! Wohl der
Duodezkönigreich Piemont war dieGroßmacht Italien geworden, und nichts
als militärische Niederlagen bezeichnen diesenWeg zur Größe. Das fühlten sie
alle bis zmn letztenLazzarone hinunterimd lechztennach den feilenLorbeeren,
für die sich— so glaubten sie— kein günstigerer Moment ergeben konnte,
als jener, indem die sinkende Doppelmonarchie im Kampf aufTod und Leben
stand. Und sie täuschten sich doch, denn selbst in seinem Untergang war das
alte Reich noch stark genug, diesen Erzfeind zwölfmal niederzuwerfen. Seine
vSucht nach Gloire über den mm entschwtmdenen Doppelaar wird für alle
Zeiten imgestillt bleiben, tmd es äußert sichdawieder die so oftzubeobachtende
Ironie undSatyre des Geschicks, daß esdenbrennendstenWunschauchdannzu
versagen weiß, wennes ansonsten ein ganzesFüllhornvonGlücksgabenauf das
Haupt eines Volkes— oder auch eines Menschen— schüttet. ,,ItaHa farä da
se"— dieser Wunschausspruch Cavomrs ist nie iii ErfüUimg gegangen; immer
waren es mu: Italiens Allüerte, die dessen große Aspirationen verwirkHchten.
1) Im Laufe der Jahre habe ich in viele Kriegstagebücher junger Offiziere
Einsicht genommen imd fand hierbei, daß just solche, die von Kavallerie-
offizieren geführt wurden, wertvolle imd hochinteressante Details brachten.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918