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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Und da setzte das Kriegsglück für Österreich-Ungarn dadurch ein, daß die Russen sich kurzerhand entschlossen, die Festung durch einen Massensturm zu nehmen. Dieselbe war kaum zerniert, als der Führer der russischen 3. Armee, der Bulgare Radko Dimitriew, deren Übergabe forderte. Von GeneralKusmanek energisch zurückgewiesen, begann er sofort den gewaltsamen Angriff, um die Festung zu Fall zu bringen, bevor die österreichisch-ungarische Offensive herangelangt wäre. Dafür waren aber die Grundbedingungen nicht gegeben. Di- mitriew verfügte über nicht viel mehr als etwa 100 000 Mann, dabei über keine niederschmetternde schwere Artillerie. Wäre er im Besitz der deutschen 42 cm, besonders aber unserer 30,5 cm-Mörser gewesen, die auch modernen Panzerforts in kurzer Zeit den Garaus machten, wäre es vielleicht rasch gegangen. Doch mit seinem 21cm warf Di- mitriew die immerhin recht modern erbauten und sehr tapfer ver- teidigten Forts nicht nieder, dafür aber in herostratischen Anstürmen 40 000Mann seiner Truppen. So gelangte die österreichisch-ungarisch- deutsche Offensive eigentlich ohne erhebliche Anstrengungen bis an den San^), was den sofortigen Abbruch der Belagerung Przemysls zur Folge hatte. Doch entwickelte sich, gewissermaßen a cheval der Festung, eine große Schlacht, in der die 4. Armee an der Sanlinie die Front bildete, die 3. und 2. Armee in der Linie Przemj^sl—Sambor und weiter östlich den herausschwenkenden Stoßflügel darstellten und allem Anschein nach auch langsam Terrain gewannen. Indessen kam aber auch die russische Offensive von der' Weichsel- strecke Iwangorod—Warschau—Nowo Georgiewsk zur Geltung. Schon am 13. Oktober schrieb mir Conrad in dem früher zitierten Brief: ,,Unsere Verbündeten jenseits der Weichsel haben gefehlt, sodaß wirihnenzu Hilfeeüenmüssen.—Eine nichtsehrwillkommene Störung unseresKonzeptes." DieseStörung war aber, meiner Meinung nach, schon mit Beginn der Offensive als wahrscheinlich vorauszu- sehen. War doch der linke Heeresflügel weder strategisch noch tak- tisch geschützt. Es war daher natürlich, daß die überlegenen Russen sich gegen denselben wenden würden. Da erfolgte die erste große ,,Umgruppierung", eine Bezeichnung, die im Laufe des Feldzuges zu 1) ImGrundewar es erstavinlich,daß dieRussen, dieimHerstellen befestigter Fronten so geschickt imd geübt waren, weder die vonNatur ans starken Linien westlich des San noch diesen selbst zu einem zähen, offensive Vorstöße ermög- lichenden Verteidigungsabschnitt eingerichtet hatten. Ich nahm bestimmt an, daß bei Sieniawa vmd Jaroslau die Fronten gewissermaßen verkehrt werden würden, imi so mehr, da die Russen doch schon seit dem 20. September im unbestrittenen Besitz dieser Punkte gewesen waren. Merkwürdigerweise fand dannauchunsereFrühjahrsoffensive dieselbennochimmerin keiner Verfassung, die einen langen imd nachhaltigen Widerstand besonders begünstigt hätte. 410
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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