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Und da setzte das Kriegsglück für Österreich-Ungarn dadurch ein,
daß die Russen sich kurzerhand entschlossen, die Festung durch
einen Massensturm zu nehmen. Dieselbe war kaum zerniert, als der
Führer der russischen 3. Armee, der Bulgare Radko Dimitriew, deren
Übergabe forderte. Von GeneralKusmanek energisch zurückgewiesen,
begann er sofort den gewaltsamen Angriff, um die Festung zu Fall
zu bringen, bevor die österreichisch-ungarische Offensive herangelangt
wäre. Dafür waren aber die Grundbedingungen nicht gegeben. Di-
mitriew verfügte über nicht viel mehr als etwa 100 000 Mann, dabei
über keine niederschmetternde schwere Artillerie. Wäre er im Besitz
der deutschen 42 cm, besonders aber unserer 30,5 cm-Mörser gewesen,
die auch modernen Panzerforts in kurzer Zeit den Garaus machten,
wäre es vielleicht rasch gegangen. Doch mit seinem 21cm warf Di-
mitriew die immerhin recht modern erbauten und sehr tapfer ver-
teidigten Forts nicht nieder, dafür aber in herostratischen Anstürmen
40 000Mann seiner Truppen. So gelangte die österreichisch-ungarisch-
deutsche Offensive eigentlich ohne erhebliche Anstrengungen bis an
den San^), was den sofortigen Abbruch der Belagerung Przemysls
zur Folge hatte. Doch entwickelte sich, gewissermaßen a cheval der
Festung, eine große Schlacht, in der die 4. Armee an der Sanlinie die
Front bildete, die 3. und 2. Armee in der Linie Przemj^sl—Sambor
und weiter östlich den herausschwenkenden Stoßflügel darstellten
und allem Anschein nach auch langsam Terrain gewannen.
Indessen kam aber auch die russische Offensive von der' Weichsel-
strecke Iwangorod—Warschau—Nowo Georgiewsk zur Geltung.
Schon am 13. Oktober schrieb mir Conrad in dem früher zitierten
Brief: ,,Unsere Verbündeten jenseits der Weichsel haben gefehlt,
sodaß wirihnenzu Hilfeeüenmüssen.—Eine nichtsehrwillkommene
Störung unseresKonzeptes." DieseStörung war aber, meiner Meinung
nach, schon mit Beginn der Offensive als wahrscheinlich vorauszu-
sehen. War doch der linke Heeresflügel weder strategisch noch tak-
tisch geschützt. Es war daher natürlich, daß die überlegenen Russen
sich gegen denselben wenden würden. Da erfolgte die erste große
,,Umgruppierung", eine Bezeichnung, die im Laufe des Feldzuges zu
1) ImGrundewar es erstavinlich,daß dieRussen, dieimHerstellen befestigter
Fronten so geschickt imd geübt waren, weder die vonNatur ans starken Linien
westlich des San noch diesen selbst zu einem zähen, offensive Vorstöße ermög-
lichenden Verteidigungsabschnitt eingerichtet hatten. Ich nahm bestimmt an,
daß bei Sieniawa vmd Jaroslau die Fronten gewissermaßen verkehrt werden
würden, imi so mehr, da die Russen doch schon seit dem 20. September im
unbestrittenen Besitz dieser Punkte gewesen waren. Merkwürdigerweise fand
dannauchunsereFrühjahrsoffensive dieselbennochimmerin keiner Verfassung,
die einen langen imd nachhaltigen Widerstand besonders begünstigt hätte.
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918