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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Meldungen und Berichte, verließ aber trotzdem seine Klause nicht, um selbst zu sehen, ob die blanke Unmöglichkeit tatsächlich einge- treten war, seine theoretisch richtigen Konklusionen ins Praktische zu übersetzen. Doch anderseits: zwei bis drei Tage Sonnenschein, ein kräftiger Nordwind hätten die Wege passierbar, Proviant und ]\Iunition er- reichbar gemacht. Dann wäre Potiorek vielleicht dochSieger in diesem großen Kampfe geblieben. So aber brach das Verhängnis herein. Dezimiert, teilweise deroutiert muiBten die Armeen in ihre Ausgangs- situation zurückgehen. Belgrad ging wieder verloren. Eine nicht unbeträchtliche Zahl modernster Geschütze— darunter die ,,chine- sischen Gebirgsbatterien", so genannt, weü sie von China bei Skoda bestellt worden waren — mußten zurückgelassen weiden, und bei 66 000 Gefangene wurden in Serbien internierr, davon nach Jahres- frist kaum die Hälfte noch am Leben war. Das war ein schwerer Schlag, der sich auch politisch sehr fühlbar machte. Naturgemäß resultierten daraus persönliche Konsequenzen. Vor allem wurde der oberste Leiter in den Ruhestand versetzt. Daß der bismmvom GlückundvonMenschengtmst so verwöhntePotiorek ein persönliches Opfer bringen mußte, war schließlich sachlich und politisch motiviert und daher gerecht. Daß er aber vorher die Be- urteÜung, sozusagen die Überprüfung des Feldmarschalleutnants Marterer erdulden mußte, das geht weit über die Sühne hinaus, die man berechtigt war, ihm aufzubürden. Potiorek war nicht nur einer der ranghöchsten— ranghöher als Conrad—, sondern bisher auch einer der anerkanntesten und verdientesten Generale der Armee. Stets in ausübender Tätigkeit verwendet, hatte er mit seiner Armee immerhin auch große Erfolge errungen. Und da wurde Herr von Marterer aus der Müitärkanzlei hinuntergescliickt, um über ihn imd denZustand derArmee zu berichten! EinMann, der nie anders alsam Schreibtisch, am Parkett oder in der Antikamera gedient, nie mit der TruppeinBerührunggekommenwar, siekaumanderswo, alsbeiderAb- lösungderHofburgwachegesehen,daerjaseitJahrenvollkommenfeld- dienstuntaughch war ! Das mußte für Potiorek eine unsagbar schwere, weil überflüssige und unsachliche Demütigung bedeutet haben! — Ich befaßte mich zu jener Zeit mit der Sammlung von Daten aus dem Feldzuge und fing an, die Aufzeichnungen aus meinem Leben niederzulegen. Um ruhiger arbeiten zu können, und um den viel- fachen privaten Anfragen auszuweichen, die die Bitterkeit des mir sachlich und persönlich angetanen Unrechtes immer wieder wach- riefen, entfloh ich der Großstadt und kehrte wieder für kurze Zeit auf den Semmering zurück. 415
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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