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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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flüchtig einige Zeilen an den Rand jenes Briefes und schickte ihn heim an meine Frau. Diesen Privatbrief mit der freimütigen Rand- glosse, die eines traditionellen Dankes gedachte, fand man dann später in meiner Schreibtischlade, als man daran ging. Beweise zu suchen, die mich vernichten sollten. Die Gefühle, die man mir ent- gegenbrachte, wurden durch jene Glosse nicht freundlicher. Die Kriegsereignisse schritten fort, und es entwickelten sich die Karpathenkämpfe, in denen die Russen langsam Terrain gewarmen, mit großer Todesverachtung und wenig taktischem Geschick unsere durch deutsche Divisionen verstärkten Linien aber nicht zu durch- brechen vermochten. Die Bukowina wurde verloren, doch auch wiedergewonnen, da die in den West- und Ostkarpathen versammel- ten Streitkräfte durch die Heranziehung aller nur verfügbaren Armee- einheiten verstärkt wurden. So gestaltete man das am östlichen Flügel stehende kombinierte Korps Pflanzer-Baltin allmählich zu einer Armeeabteüung und schließlich zur 7. Armee aus. Auch sonst wurde eine Reihe neuer Armeekorps gebildet. Hierzu wurden die meisten Armeeeinheiten der bisher gegen Serbien operierenden Armee entzogen, so daß diese schließlich nur aus einer minimalen Anzahl von Truppen, darunter viel Landsturm, bestand. Durch die für die serbische Armee unpassierbaren Strombarrieren, Save und Donau ge- deckt, genügten sie, da sich allem Anschein nach weder die serbischen noch die montenegrinischen Streitkräfte zu einer durchzügigen Offen- sivoperation befähigt hielten. Ohne sonderlichen Nutzen für die Entente, ruhten sie auf ihren bisherigen, vornehmlich im Verteidi- gungskriege errungenen Lorbeeren aus. Dazu muß man aber büliger- weise anerkennen, daß die Serben Außerordentliches geleistet hatten. Eigentlich seit Spätherbst 1912 im Kriegszustande befindlich, waren sie in drei Kriegen siegreich gewesen. Die Anspannung der Volks- kraft war dabei eine außerordentliche. Nicht weniger als etwa 13% der Bevölkerung war unter den Waffen, vmd die Gefechtsverluste an Gefallenen, die sie in den drei Feldzügen erlitten hatten, dürften sich auf 150 000 Mann belaufen, also3% der ganzen Bevölkerung (Greise, Weiber und ICinder mitgerechnet!). Gewiß, Serbien ist ein an Men- schen und Naturprodukten reiches Land und wurde auch von den Ententemächten bestens unterstützt. Doch solcher Blutentgang mußte schheßlicli aufdasganzeLandunddas öffentlicheLebenschwer drücken. Daß dann eineErlahmung eintrat, und das Land durch die folgenden neun Monate an keiner Kriegsaktion mehr teünahm, war daher begreiflich. Nach halbjähriger Kampagne und nach gewaltigen, nicht unerläß- lichen Verlusten physischer und moralischer Natur war nnf unserer z7* 419
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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