Page - 419 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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flüchtig einige Zeilen an den Rand jenes Briefes und schickte ihn
heim an meine Frau. Diesen Privatbrief mit der freimütigen Rand-
glosse, die eines traditionellen Dankes gedachte, fand man dann
später in meiner Schreibtischlade, als man daran ging. Beweise zu
suchen, die mich vernichten sollten. Die Gefühle, die man mir ent-
gegenbrachte, wurden durch jene Glosse nicht freundlicher.
Die Kriegsereignisse schritten fort, und es entwickelten sich die
Karpathenkämpfe, in denen die Russen langsam Terrain gewarmen,
mit großer Todesverachtung und wenig taktischem Geschick unsere
durch deutsche Divisionen verstärkten Linien aber nicht zu durch-
brechen vermochten. Die Bukowina wurde verloren, doch auch
wiedergewonnen, da die in den West- und Ostkarpathen versammel-
ten Streitkräfte durch die Heranziehung aller nur verfügbaren Armee-
einheiten verstärkt wurden. So gestaltete man das am östlichen
Flügel stehende kombinierte Korps Pflanzer-Baltin allmählich zu
einer Armeeabteüung und schließlich zur 7. Armee aus. Auch sonst
wurde eine Reihe neuer Armeekorps gebildet. Hierzu wurden die
meisten Armeeeinheiten der bisher gegen Serbien operierenden Armee
entzogen, so daß diese schließlich nur aus einer minimalen Anzahl
von Truppen, darunter viel Landsturm, bestand. Durch die für die
serbische Armee unpassierbaren Strombarrieren, Save und Donau ge-
deckt, genügten sie, da sich allem Anschein nach weder die serbischen
noch die montenegrinischen Streitkräfte zu einer durchzügigen Offen-
sivoperation befähigt hielten. Ohne sonderlichen Nutzen für die
Entente, ruhten sie auf ihren bisherigen, vornehmlich im Verteidi-
gungskriege errungenen Lorbeeren aus. Dazu muß man aber büliger-
weise anerkennen, daß die Serben Außerordentliches geleistet hatten.
Eigentlich seit Spätherbst 1912 im Kriegszustande befindlich, waren
sie in drei Kriegen siegreich gewesen. Die Anspannung der Volks-
kraft war dabei eine außerordentliche. Nicht weniger als etwa 13%
der Bevölkerung war unter den Waffen, vmd die Gefechtsverluste an
Gefallenen, die sie in den drei Feldzügen erlitten hatten, dürften sich
auf 150 000 Mann belaufen, also3% der ganzen Bevölkerung (Greise,
Weiber und ICinder mitgerechnet!). Gewiß, Serbien ist ein an Men-
schen und Naturprodukten reiches Land und wurde auch von den
Ententemächten bestens unterstützt. Doch solcher Blutentgang
mußte schheßlicli aufdasganzeLandunddas öffentlicheLebenschwer
drücken. Daß dann eineErlahmung eintrat, und das Land durch die
folgenden neun Monate an keiner Kriegsaktion mehr teünahm, war
daher begreiflich.
Nach halbjähriger Kampagne und nach gewaltigen, nicht unerläß-
lichen Verlusten physischer und moralischer Natur war nnf unserer
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918