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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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ment meines Lebens, der mich fast niederbrechen ließ. Dann wurde ich in ein geschlossenes Auto gesetzt und in einer Einzelzelle des Garnisonarrestes interniert. Ich glaube, daß dieser ebenso brutale als ungerechte Vorgang in der neueren Geschichte ohne Analogon dasteht. Wenn man den Ver- dacht wirklich hegte, daß ich mit Schwarz an der Börse gespielt hatte, so war man doch schon im Besitz der ganzen Korrespondenz. Wozu bedurfte es dann aber der hypersensationellen Verhaftung eines der ältesten und bekanntesten Generale der Armee! Da lagen eben andere Motive vor, von denen ich gleich sprechen werde. Durch meine Verhaftung war die Bahn frei zu einer gründlichen Untersuchung meiner Privatdokumente. Diese Prozedur nahm Feld- zeugmeister Schleyer mit einer Gerichtskommission in schranken- losester und rücksichtslosester Weise vor. Völlig überfallartig in mein Haus eindringend, durchsuchte man meine ganze Wohnung. Alle Kasten, Laden, jede Kleidertasche, Betten, Möbel wurden durch- wühlt und meine zu Tode erschrockene Frau mit der immer wieder- kehrenden peremptorisch vorgebrachten Frage gequält, sie möge ,,die Korrespondenz herausgeben, die ich mit Franz Fer- dinand geführt hatte". Da eine solche— von Höflichkeitsmit- teilungen abgesehen— niemals existiert hatte, konnte diesem An- sinnen keine Folge gegeben werden, worauf sich die Kommission auch auf das Zimmer meiner Frau stürzte und auch dieses in scho- nungslosester Art durchstöberte. Und immer wieder und wieder die Frage nach den ,,Briefen . . .!" Ob durch Zufall, ob mit Absicht herbeigeführt, die An- schuldigung des Börsenspieles war nur der ersehnte Vor- wand, dieDurchforschung meinerPapiereundpolitischen Antezedenzien das eigentliche Ziel der Aktion! Die Hausdurchsuchung währte viele Stunden lang. Es wiurden alle meine Papiere, Dokumente, die Feldzugsakten, alles von irgendeinem Wert säsiert und meine Wohnung in einen Zustand versetzt, als hätte eine Plünderung stattgehabt. Man fand natürlich nichts, weil man nichts finden konnte. Nie hatte auch nur die Idee einer poli- tischen Fronde zwischen dem verstorbenen Erzherzog und mir be- standen. Doch habe ich alle Ursache zu glauben, was einedem Kaiser nahestehende Persönlichkeit mir mitgeteilt hat, daß die Kamarilla mich beim greisen Kaiser in dieser Richtung verdächtigt hat, um meine Verhaftung durchzusetzen, wissend, wie mißtrauisch der Mon- arch in Verfehlungen gegen seine Autorität dachte. Nicht etwa aus Wohlwollen oder Herzensgüte, aber immerhin aus Ritterlichkeit und in erster Linie, um den öffentlichen Skandal zu vermeiden, hätte der 429
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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