Page - 429 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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ment meines Lebens, der mich fast niederbrechen ließ. Dann wurde
ich in ein geschlossenes Auto gesetzt und in einer Einzelzelle des
Garnisonarrestes interniert.
Ich glaube, daß dieser ebenso brutale als ungerechte Vorgang in
der neueren Geschichte ohne Analogon dasteht. Wenn man den Ver-
dacht wirklich hegte, daß ich mit Schwarz an der Börse gespielt
hatte, so war man doch schon im Besitz der ganzen Korrespondenz.
Wozu bedurfte es dann aber der hypersensationellen Verhaftung eines
der ältesten und bekanntesten Generale der Armee! Da lagen eben
andere Motive vor, von denen ich gleich sprechen werde.
Durch meine Verhaftung war die Bahn frei zu einer gründlichen
Untersuchung meiner Privatdokumente. Diese Prozedur nahm Feld-
zeugmeister Schleyer mit einer Gerichtskommission in schranken-
losester und rücksichtslosester Weise vor. Völlig überfallartig in mein
Haus eindringend, durchsuchte man meine ganze Wohnung. Alle
Kasten, Laden, jede Kleidertasche, Betten, Möbel wurden durch-
wühlt und meine zu Tode erschrockene Frau mit der immer wieder-
kehrenden peremptorisch vorgebrachten Frage gequält, sie möge
,,die Korrespondenz herausgeben, die ich mit Franz Fer-
dinand geführt hatte". Da eine solche— von Höflichkeitsmit-
teilungen abgesehen— niemals existiert hatte, konnte diesem An-
sinnen keine Folge gegeben werden, worauf sich die Kommission
auch auf das Zimmer meiner Frau stürzte und auch dieses in scho-
nungslosester Art durchstöberte. Und immer wieder und wieder die
Frage nach den ,,Briefen . . .!"
Ob durch Zufall, ob mit Absicht herbeigeführt, die An-
schuldigung des Börsenspieles war nur der ersehnte Vor-
wand, dieDurchforschung meinerPapiereundpolitischen
Antezedenzien das eigentliche Ziel der Aktion!
Die Hausdurchsuchung währte viele Stunden lang. Es wiurden alle
meine Papiere, Dokumente, die Feldzugsakten, alles von irgendeinem
Wert säsiert und meine Wohnung in einen Zustand versetzt, als
hätte eine Plünderung stattgehabt. Man fand natürlich nichts, weil
man nichts finden konnte. Nie hatte auch nur die Idee einer poli-
tischen Fronde zwischen dem verstorbenen Erzherzog und mir be-
standen. Doch habe ich alle Ursache zu glauben, was einedem Kaiser
nahestehende Persönlichkeit mir mitgeteilt hat, daß die Kamarilla
mich beim greisen Kaiser in dieser Richtung verdächtigt hat, um
meine Verhaftung durchzusetzen, wissend, wie mißtrauisch der Mon-
arch in Verfehlungen gegen seine Autorität dachte. Nicht etwa aus
Wohlwollen oder Herzensgüte, aber immerhin aus Ritterlichkeit und
in erster Linie, um den öffentlichen Skandal zu vermeiden, hätte der
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918