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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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dings ermöglichte dies der großen nicht informierten Öffentlichkeit den Rückschluß, daß ganz besondere, noch nie dagewesene Misse- taten vorliegen müßten, um einem derart verdienstvollen General solche Behandlung zuteil werden zu lassen. Unter „pflichtwidriger Amtsführung als Kriegsminister" konnte doch alles Mögliche ver- standen werden. Für die Arrangeure dieses Dramas war es eine I^ebensnot- wendigkeit geworden, daß das Dunkel gewahrt werde. Daher blieb die Haft aufrecht, wenngleich nunmehr nicht das leiseste Motiv da- für vorhanden war. Gegen jedes Gesetz wurde mir durch 25 Tage die Rücksprache mit dem von mir gewählten Verteidiger, Rechts- anwalt Dr. Preßburger, verwehrt, ja es wurde diesem nicht einmal mitgeteilt, wessen Deliktes wegen ich eigentlich in Untersuchung stehe. Preßburgers energische Interventionsversuche blieben voll- kommen resultatlos. Desgleichen verwehrteman mir— wieder gegen alle Gesetze— jegliche Aussprache mit meiner Familie. / (Preßburger war mir und meiner Familie in der ganzen fürchter- lichen Leidenszeit nicht nur ein ausgezeichneter, aufopfernd tätiger Rechtsanwalt, sondern auch ein treuer aufrichtiger Freund, und wäh- rend meiner Haft meiner FamÜie Berater und moralische Stütze. Ich fühle mich ihm wahrhaft zu Dank verpflichtet.) Von der Außenwelt hielt man mich hermetisch abgeschlossen, und durch 35 Tage befand ich mich in Einzelhaft. Mein Bewegungsraum war ein geschlossener, zwanzig Schritte langer Gang, wo ich zwei Stunden im Tag auf und ab rennen durfte. Tag und Nacht stand ein Posten vor der Tür, dessen Bajonett ich blinken sah. Unab- lässig mahnte es mich daran, daß ich wenige Monate vorher für den Staat, der mir jetzt diese Behandlung angedeihen ließ, 200 000 solcher Bajonette zum Siege geführt hatte. Bücher wurden mir keine ge- stattet, nur eine Zeitimg, deren I^ektüre ich auf den Tag verteilte. Durch die abgeblendeten Scheiben, die mir jeden freien Blick ver- wehrten, brannte die Sonne erbarmungslos in meine Zelle, so daß ich mich in eine Ecke kauerte, um Schutz zu finden. Die Briefe, die ich nach Hause schrieb und von dort bekam, waren einer strengen Zensur unterworfen. Und doch waren sie die einzigen Labsale in dieser Hölle. Als ich einmal auf meinem kurzen engen Gang wieder auf und ab lief, öffnete der Zufall ein Fenster, und ich sah einen Au- genblick lang wie geblendet dieHöhen des Kahlenbergs. TiefsteWeh- mut erfaßte mich. In den Nebenzellen, links und rechts, schwere Verbrecher, deren Lebensäußerungen ich vernahm, darunter auch das letzte Röcheln eines Verlorenen, der seinem Leben und Leiden ein Ende bereitete. 431
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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