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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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befindlichen vier, mitdenErsatzmännern sechs, ranghöchstenGenerale bestimmt, die von einer wahrhaft seltenen, unbeirrbaren Rechtsüberzeugung getragen waren. Sie standen vor einer un- sagbar schweren Aufgabe. DerWunsch der maßgebendsten Kreise mußte ihnen nach all den Antezedenzien doch folgerichtig klar sein, ebenso auch die Mentalität der obersten Dignitäre sowie die Mittel, die diesen zur Verfügung standen. Man wußte zu strafen, man ver- stand aber auch zu belohnen! Da unentwegt den geraden Weg zu gehen und sich um keines Haares Breite abdrängen zu lassen, er- forderte ein Rechtsgefühl und eine Selbstbeherrschung, die weit über dasnormaleMaß gingen. Jene felsenfest ehrenvollen Männer waren: General der Kavallerie Baron von Kummer, die Feldzeug- meister Bendaund von Wikullilund General derInfanterievon Rohm, alsErsatzmänner dieFeldzeugmeister vonFrank undvonBockenheim. Da die Verhandlung trotz des Einspruches meines Verteidigers ge- heim durchgeführt wurde, fungierten als Vertrauensmänner die von mir hierzu gebetenen Herren: Feldzeugmeister Hoffmann ^'on Nagy Sötetag, der bekannte Historiker Dr. Heinrich Friedjung und Advo- kat Dr. Mataja (der nachmalige erste vStaatssekretär für innere Ver- waltung in Deutschösterreich). Was ich empfand, als ich im düstern Verhandlungssaal auf der Anklagebank saß, ich, der auf dem Ministerfauteuil mit Ehren be- standen hatte, kann ich mit Worten nicht schildern. Doch wie in allen schwierigen Momenten meines vielbewegten Lebens, stellte sich auch diesmal jene vollkommene Ruhe und Objektivität, jene klare, fast greifbare Sachlichkeit ein, die mich alle Vorgänge völlig vom vis-ä-vis-Standpunkte aus sehen und beurteilen ließ. Bei Abwicklung der usuellen Formalitäten wurde von meinem Ver- teidiger die Kompetenz des Militärgerichtes bestritten. Aus dem trif- tigen Grunde, weil die Anklage sich auf ein angebliches Delikt bezog, das ich während meiner Ministertätigkeit, und zwar in Ausübung meiner ministeriellen Obliegenheit begangen haben sollte. Daher wäre ich vor den Staatsgerichtshof zu stellen gewesen. Nach Zurückwei- sung dieses Antrages begann die Verhandlung damit, daß man meine einstige Korrespondenz mit Oberst Schwarz stückweise zur Verlesung brachte, desgleichen— auf Antrag der Anklage— den Ministereid. Die sublime Idee, den^ Ministereid zu verlesen, entsprang nicht dem Kopfe des Anwaltes, sondern offenbar dem Haupte des Generals von Marterer, der diesen Schlager später auch bei der ehrenrätlichen Schlußverhandlung meinem Verteidiger Feldzeugmeister Otto Frank in Vorschlag brachte. Zweifelsohne sollte es beide Male meiner ver- meintlichen Verfehlung eine besondere Folie geben. 438
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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