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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Nach unendlich viel Mühe und Anstrengung gelangte man dann endlichzum Ausspruch, ich hätte „die Standesehre gefährdet", worauf mir zufolge kaiserlichen Auftrags eine ,,Warnung" des Kriegs- ministeriums erteilt wurde. Laut Statut hatte diese ,,Warnung" gar keine weitere Folge, weder praktisch noch ethisch. Daher hatten dieArrangeure, fürsorglich vor- denkend, eine Sentenz zusammengestellt, die jener Warnung den ge- eigneten Nachdruck geben sollte. Diese Sentenz wurde aller Vor- schrift zum Trotz nicht im Beratungssaale des Ehrenrates ausgedacht und verfaßt, sondern merkwürdigerweise von einem der Mitglieder bereits fix und fertig zur Verhandlung mitgebracht, hatte daher ganz gesetzwidrig das Licht der Welt an einer ganz anderen Stelle erblickt. Jedenfalls an einer, der die wohlwollende Behandlung meiner Person ebenso am Herzen lag wie die Befolgung der Sta- tuten, und die es nicht weiter anfocht, daß Sentenz undWarnung im krassesten, ja direkt sinnverwirrenden Widerspruch standen. Ich will diese Sentenz hier anführen. So tief verletzend sie für mich auch war, zeigt deren Wortlaut am klarsten, auf welche Ab- wege man die Angelegenheit führte. ,,General der Infanterie von Auffenberg hat die Standesehre da- durch gefährdet, daß er müitärische und politische Geheimnisse an einen Unberufenen zwecks Börsenspiels mitteüte." So erklärte der unter so merkwürdigen Umständen zusammenge- setzte Ehrenrat nach zweistündiger Beratung einfach eine An- schuldigung fürexistent, die ein dreiMonatelangesGerichts- verfahren nach sorgfältigster Durchsiebung mit einem Freispruch als nicht bestehend festgelegt hatte! Gleichzeitig stempelte dieser Ehrenrat das Verbrechen, das— im Falle es be- gangen worden wäre, nie vor sein Forum und ausschließlich nur vor das Kriegsgericht zukommen gehabt hätte— als nicht straf- bar, da man eine ,,Warnung" doch nicht gut als eine Strafe ansehen kann! Eine nach äußerster Anstrengung und Beeinflussung schwer er- reichte Warnung— eine Maßregel, ersonnen, um unachtsame oder leichtlebige junge Offiziere mit einer leichten Drohung zu bedenken, die keine weitere rechtliche oder dienstliche Konsequenz nach sich zog— für die Mitteüung militärpolitischer Geheimnisse!! Ein Fa- schingsscherz, der toller kaum gedacht werden kann! Erklären läßt sich dieser seltsame Vorgang allerdings in folgender Weise Die Konzipienten hielten sich vor Augen, daß laut Vorschrift bei einer „Gefährdung" (,,Warnung") jedweder Rekurs ausgeschlossen sei. Dagegen hätte der Ausspruch „Verletzung", den sie so gerne 444
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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