Page - 444 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Nach unendlich viel Mühe und Anstrengung gelangte man dann
endlichzum Ausspruch, ich hätte „die Standesehre gefährdet", worauf
mir zufolge kaiserlichen Auftrags eine ,,Warnung" des Kriegs-
ministeriums erteilt wurde.
Laut Statut hatte diese ,,Warnung" gar keine weitere Folge, weder
praktisch noch ethisch. Daher hatten dieArrangeure, fürsorglich vor-
denkend, eine Sentenz zusammengestellt, die jener Warnung den ge-
eigneten Nachdruck geben sollte. Diese Sentenz wurde aller Vor-
schrift zum Trotz nicht im Beratungssaale des Ehrenrates
ausgedacht und verfaßt, sondern merkwürdigerweise von einem der
Mitglieder bereits fix und fertig zur Verhandlung mitgebracht, hatte
daher ganz gesetzwidrig das Licht der Welt an einer ganz anderen
Stelle erblickt. Jedenfalls an einer, der die wohlwollende Behandlung
meiner Person ebenso am Herzen lag wie die Befolgung der Sta-
tuten, und die es nicht weiter anfocht, daß Sentenz undWarnung im
krassesten, ja direkt sinnverwirrenden Widerspruch standen.
Ich will diese Sentenz hier anführen. So tief verletzend sie für
mich auch war, zeigt deren Wortlaut am klarsten, auf welche Ab-
wege man die Angelegenheit führte.
,,General der Infanterie von Auffenberg hat die Standesehre da-
durch gefährdet, daß er müitärische und politische Geheimnisse an
einen Unberufenen zwecks Börsenspiels mitteüte."
So erklärte der unter so merkwürdigen Umständen zusammenge-
setzte Ehrenrat nach zweistündiger Beratung einfach eine An-
schuldigung fürexistent, die ein dreiMonatelangesGerichts-
verfahren nach sorgfältigster Durchsiebung mit einem
Freispruch als nicht bestehend festgelegt hatte! Gleichzeitig
stempelte dieser Ehrenrat das Verbrechen, das— im Falle es be-
gangen worden wäre, nie vor sein Forum und ausschließlich nur
vor das Kriegsgericht zukommen gehabt hätte— als nicht straf-
bar, da man eine ,,Warnung" doch nicht gut als eine Strafe ansehen
kann!
Eine nach äußerster Anstrengung und Beeinflussung schwer er-
reichte Warnung— eine Maßregel, ersonnen, um unachtsame oder
leichtlebige junge Offiziere mit einer leichten Drohung zu bedenken,
die keine weitere rechtliche oder dienstliche Konsequenz nach sich
zog— für die Mitteüung militärpolitischer Geheimnisse!! Ein Fa-
schingsscherz, der toller kaum gedacht werden kann! Erklären läßt
sich dieser seltsame Vorgang allerdings in folgender Weise
Die Konzipienten hielten sich vor Augen, daß laut Vorschrift bei
einer „Gefährdung" (,,Warnung") jedweder Rekurs ausgeschlossen
sei. Dagegen hätte der Ausspruch „Verletzung", den sie so gerne
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918