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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Das änderte vorerst aber nichts an der Tatsache, daß die wenn auch kleinen, doch einst sehr gefürchteten Südgegner zusammengebrochen waren, was wieder zur Folge hatte, daß eine ganze Armee zu ander- weitiger Verwendung frei wurde. Die Frage war nun, was damit zu geschehen habe, damitdemGesamtzweck gedientwerde ! Einederent- scheidendsten Fragen des ganzen Krieges! Vom operativen und politischen Standpunkte aus wahrhaftig eine Schicksals- stunde! Die operative Gesamtlage war kaum viel mehr als equilibriert, mit einer Neigung zugunsten der Mittelmächte, trotzdem letztere vom Mai 1915 bis zu jenem Momente— März 1916— außerordent- lich viele Erfolge aufzuweisen hatten. Die ungeheure Diskrepanz der Gesamtkräfte von hüben und drüben erklärte diese Erscheinung, über die ich in einem früheren Kapitel gesprochen habe. Durch das Hineinwerfen der freigewordenen Armee hätte aber eine Entschei- dungerbrachtwerdenkönnen—vorausgesetzt, daß sie aufdem opera- tiv wichtigsten Raum in Aktion getreten wäre. Wo dieser Raum aber damals zu findenwar, darüberkonnte eigentlichkeinZweifelherrschen. Selten dürften die Prämissen für eine richtige operative Konklusion so klar zu erkennen gewesen sein wie in jenem Momente. Dies mag hier mit wenigen Worten geschildert werden. Auf der ganzen riesigen Ostfront— von Riga über Pinsk bis an die rumänische Grenze — war nach den mißglückten russischen Stößen vom Winter eine Erstarrung eingetreten. Die Ursache lag in der relativen Gleichwertigkeit der gegenüberliegenden Kräfte, ebenso in dem elementaren Einfluß der beginnenden Schneeschmelze, die das ganze heilige Rußland in einen unpassierbaren Dreck verwan- delte, der sich erstEndeMai wieder zu wegbaren FlächenundRäumen konsolidierte. Somit wußte man, daß eine zweimonatliche Waffen- pause eintreten müsse. Dabei hätte man aber an leitender Stelle auch damit rechnen sollen, daß die Russen diese Waffenpause frag- los zur Retablierung und zur Ausgestaltung ihrer riesigen Bauern- massen in militärische und schlagfertige Einheiten benützen würden. Erzählte man sich selbst hier in Wien, daß Rußland seine Xerxes- heere neu formiere, und die Entente mit allen technischen und finan- ziellen Mitteln beispringe, da wußteman's dochgewiß auch inTeschen und anderwärts. Durch Mätzchen russischer Schützengrabenleute durfte man sich aber nicht irre machen lassen und nicht als Tatsache annehmen, wonach der innerste Wunsch ging! Ähnlich, wenn auch in den Einzelheiten variiert, lagen die Ver- hältnisse an der Südwestfront. In Summe genommen war das Er- gebnis der italienischen Operationen gleich Null, wenn man von den 453
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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