Page - 453 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Das änderte vorerst aber nichts an der Tatsache, daß die wenn auch
kleinen, doch einst sehr gefürchteten Südgegner zusammengebrochen
waren, was wieder zur Folge hatte, daß eine ganze Armee zu ander-
weitiger Verwendung frei wurde. Die Frage war nun, was damit zu
geschehen habe, damitdemGesamtzweck gedientwerde ! Einederent-
scheidendsten Fragen des ganzen Krieges! Vom operativen und
politischen Standpunkte aus wahrhaftig eine Schicksals-
stunde!
Die operative Gesamtlage war kaum viel mehr als equilibriert,
mit einer Neigung zugunsten der Mittelmächte, trotzdem letztere
vom Mai 1915 bis zu jenem Momente— März 1916— außerordent-
lich viele Erfolge aufzuweisen hatten. Die ungeheure Diskrepanz der
Gesamtkräfte von hüben und drüben erklärte diese Erscheinung,
über die ich in einem früheren Kapitel gesprochen habe. Durch das
Hineinwerfen der freigewordenen Armee hätte aber eine Entschei-
dungerbrachtwerdenkönnen—vorausgesetzt, daß sie aufdem opera-
tiv wichtigsten Raum in Aktion getreten wäre. Wo dieser Raum aber
damals zu findenwar, darüberkonnte eigentlichkeinZweifelherrschen.
Selten dürften die Prämissen für eine richtige operative Konklusion
so klar zu erkennen gewesen sein wie in jenem Momente. Dies mag
hier mit wenigen Worten geschildert werden.
Auf der ganzen riesigen Ostfront— von Riga über Pinsk bis an
die rumänische Grenze — war nach den mißglückten russischen
Stößen vom Winter eine Erstarrung eingetreten. Die Ursache lag in
der relativen Gleichwertigkeit der gegenüberliegenden Kräfte, ebenso
in dem elementaren Einfluß der beginnenden Schneeschmelze, die
das ganze heilige Rußland in einen unpassierbaren Dreck verwan-
delte, der sich erstEndeMai wieder zu wegbaren FlächenundRäumen
konsolidierte. Somit wußte man, daß eine zweimonatliche Waffen-
pause eintreten müsse. Dabei hätte man aber an leitender Stelle
auch damit rechnen sollen, daß die Russen diese Waffenpause frag-
los zur Retablierung und zur Ausgestaltung ihrer riesigen Bauern-
massen in militärische und schlagfertige Einheiten benützen würden.
Erzählte man sich selbst hier in Wien, daß Rußland seine Xerxes-
heere neu formiere, und die Entente mit allen technischen und finan-
ziellen Mitteln beispringe, da wußteman's dochgewiß auch inTeschen
und anderwärts. Durch Mätzchen russischer Schützengrabenleute
durfte man sich aber nicht irre machen lassen und nicht als Tatsache
annehmen, wonach der innerste Wunsch ging!
Ähnlich, wenn auch in den Einzelheiten variiert, lagen die Ver-
hältnisse an der Südwestfront. In Summe genommen war das Er-
gebnis der italienischen Operationen gleich Null, wenn man von den
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918