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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Der Einbruch der Rumänen in Siebenbürgen, speziell der fehlende Schutz seiner Grenzen, gab der Opposition im ungarischen Parlament, das zu jener Zeit tagte, die willkommene Gelegenheit, über Regierung und Majorität in schärfster Weise herzufallen, wobei naturgemäß das Armeeoberkommando und einige Armeeführer in nichts weniger als schonender Weise behandelt wurden. So wenig Grund ich vom per- sönlichen Standpunkt aus hatte, das Armeeoberkommando zu ver- teidigen und so viele Fehler es auch haben mochte, so war— meiner Ansicht nach— doch jener Vorwurf, der sich auf die zeitweise Preis- gabe großer Teile Siebenbürgens bezog, durchaus ungerechtfertigt. Bei allen darauf zielenden Rededuellen, die Tisza in erster Linie mit Andrassy zu bestehen hatte, ging— bei objektiver Beurteilung— ersterer meist als Sieger hervor. Nicht nur die sachlich stärkeren Beweisgründe standen ihm zu Gebote, sondern seine Persönlichkeit erwies sich meistens überlegen, Andrassys persönlicher Ehrgeiz ging zu offensichtlich dahin, sich an Stelle Tiszas zu setzen oder den Posten am Wiener Ballplatz zu gewinnen. Er setzte sich überdies mit seinem ganzen, gar nicht zu unterschätzenden Ein- fluß für die Lösung der polnischen Frage im austro-polnischen Sinne ein. Von dieser höchst unglücklichen Idee soll noch ge- sprochen werden. In einer geheimen Parlamentssitzung gab Prinz Windischgraetz eine Deklaration ab, die einewahrhaftvernichtende Kritik der meisten Verfügungen des Armeeoberkommandos enthielt. Er besprach dabei auch meine Angelegenheit. Die enthüllten Einzelheiten riefen große Sensation hervor, und trotzdem dieSitzung geheim war— oder viel- leicht eben deswegen— bekamen weite Kreise Kenntnis hiervon. Auf welch schwachen Füßen mochte das Armeeoberkommando da- mals wohl gestanden und wie schuldig mußte es sich gefühlt haben, daß es nicht mehr den Mut fand, irgendwie zu replizieren! Selbst in meiner Sache nicht, wo es ganz unverhüllt als der Urheber des an mir begangenen Unrechtes hingestellt, und das Brutale und Unver- antwortliche dieses Beginnens gegeißelt wurde. Persönlich bin ich dem Prinzen zu Dank verpflichtet, denn seine Darlegungen haben mir in der öffentlichen Meinung sehr genützt. Im Anfang wohl auch bei den obersten Ingerenzen, denen ja jede Meinung imponierte, die aus Ungarn scharf herüberwehte.— Ich meinte, es sei nun der Waffenruhe genug, die ich in der An- gelegenheit der Rückerstattung des kaiserlichen Handschreibens be- wahrt hatte, und da meine Geduld am Ende war, richtete ich in der zweiten Hälfte Oktober ein kurzes, doch sehr entschieden gehaltenes Schreiben an den Generaladjutanten und Chef der Militärkanzlei, 459
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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