Page - 459 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Der Einbruch der Rumänen in Siebenbürgen, speziell der fehlende
Schutz seiner Grenzen, gab der Opposition im ungarischen Parlament,
das zu jener Zeit tagte, die willkommene Gelegenheit, über Regierung
und Majorität in schärfster Weise herzufallen, wobei naturgemäß das
Armeeoberkommando und einige Armeeführer in nichts weniger als
schonender Weise behandelt wurden. So wenig Grund ich vom per-
sönlichen Standpunkt aus hatte, das Armeeoberkommando zu ver-
teidigen und so viele Fehler es auch haben mochte, so war— meiner
Ansicht nach— doch jener Vorwurf, der sich auf die zeitweise Preis-
gabe großer Teile Siebenbürgens bezog, durchaus ungerechtfertigt.
Bei allen darauf zielenden Rededuellen, die Tisza in erster Linie mit
Andrassy zu bestehen hatte, ging— bei objektiver Beurteilung—
ersterer meist als Sieger hervor. Nicht nur die sachlich stärkeren
Beweisgründe standen ihm zu Gebote, sondern seine Persönlichkeit
erwies sich meistens überlegen, Andrassys persönlicher Ehrgeiz
ging zu offensichtlich dahin, sich an Stelle Tiszas zu setzen oder
den Posten am Wiener Ballplatz zu gewinnen. Er setzte sich
überdies mit seinem ganzen, gar nicht zu unterschätzenden Ein-
fluß für die Lösung der polnischen Frage im austro-polnischen
Sinne ein. Von dieser höchst unglücklichen Idee soll noch ge-
sprochen werden.
In einer geheimen Parlamentssitzung gab Prinz Windischgraetz
eine Deklaration ab, die einewahrhaftvernichtende Kritik der meisten
Verfügungen des Armeeoberkommandos enthielt. Er besprach dabei
auch meine Angelegenheit. Die enthüllten Einzelheiten riefen große
Sensation hervor, und trotzdem dieSitzung geheim war— oder viel-
leicht eben deswegen— bekamen weite Kreise Kenntnis hiervon.
Auf welch schwachen Füßen mochte das Armeeoberkommando da-
mals wohl gestanden und wie schuldig mußte es sich gefühlt haben,
daß es nicht mehr den Mut fand, irgendwie zu replizieren! Selbst in
meiner Sache nicht, wo es ganz unverhüllt als der Urheber des an
mir begangenen Unrechtes hingestellt, und das Brutale und Unver-
antwortliche dieses Beginnens gegeißelt wurde.
Persönlich bin ich dem Prinzen zu Dank verpflichtet, denn seine
Darlegungen haben mir in der öffentlichen Meinung sehr genützt.
Im Anfang wohl auch bei den obersten Ingerenzen, denen ja jede
Meinung imponierte, die aus Ungarn scharf herüberwehte.—
Ich meinte, es sei nun der Waffenruhe genug, die ich in der An-
gelegenheit der Rückerstattung des kaiserlichen Handschreibens be-
wahrt hatte, und da meine Geduld am Ende war, richtete ich in der
zweiten Hälfte Oktober ein kurzes, doch sehr entschieden gehaltenes
Schreiben an den Generaladjutanten und Chef der Militärkanzlei,
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918