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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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verlohnt, auch mich mindestens persönlich zu Wort kommen zu lassen. Dies geschah aber nie. Die Krönungsfeierlichkeit wurde so oft beschrieben, daß ich eine Schilderung hier unterlasse. Ich hatte vom ungarischen Finanzministerium aus, wo auch die ungarische Aristokratie, speziell die strahlenden und meist auch schönen Magnatinnen versammelt waren, einen prächtigen Beob- achtungsplatz. Trotz mancher Skepsis gegen derlei Schaustellungen konnte ich mich einer gewissen Ergriffenheit nicht erwehren, als nach dem Krönungseid die Unzahl der Anwesenden in das ,,Szozat" ein- stimmte, das unter dem Donner der Geschütze intoniert wurde Eine Zeremonie, die in gleicher Weise seit 900 Jahren stets wiederholt, die Verbindung des Herrschers mit der Nation und dabei die gleich- berechtigte Souveränität beider kündete. Der Schwur des ungari- schen Königs involvierte auch immer eine Koordinierung der unga- rischen Nation zur Königswürde. Dies durfte nie vergessen werden, gleichwie, daß nach Ablegung des Königsschwures jedes staatsrecht- liche Experiment, insoweit Ungarn hierdurch direkt oder indirekt betroffen worden wäre, einfach ausgeschlossen war. Als Gegenstück hierzu sei berichtet, daß in Österreich seitens des jungen Kaisers das in den Verfassungsgesetzen begründete Gelöbnis auf die Verfassung nicht abgelegt wurde, sondern, daß im Inaugu- rationsmanifest die Völker gewissermaßen auf einen späteren Zeit- moment vertröstet wurden. Daraus wäre zu schließen, daß wahr- scheinlich Verfassungsänderungen geplant waren. Doch unter Vor- aussetzung, daß solche nur auf gesetzmäßigem Wege zum Beschlüsse imd zur Durchführung gelangen sollten, hätte dem auch das abge- gebene Gelöbnis kein Hindernis bereitet. Daß es aber nicht abgelegt wurde, erscheint mir als eine große politische Unklugheit. Schon des- wegen, weil hierdurch den Völkern Österreichs wieder einmal ad oculos demonstriert wurde, daß sie, respektive ihre Verfassung, doch nicht als so ganz vollwertig angesehen wurden; mehr aber noch aus dem Grunde, daß man hierdurch ein Band zu knüpfen unterließ, das die Völker eben mitverbunden hätte. Gewiß, in Österreich war dieErbfolge nachdem altmonarchistischen Grundsatz: ,,le roi est mort, vive le roi!" zu beurteilen, undimGegen- satz zu Ungarn war die Ausübung der Herrscherhoheit nicht an einen Inauguraleid direkt gebunden. Doch ich glaube, daß es neben den immatrikulierten Gesetzen doch noch so etwas wie ein ethisches Ge- setz gibt. Für den denkenden österreichischen Staatsangehörigen konnte es daher nicht ganz gleichgültig sein, wenn die Ausübung der Herrscherrechte seitens des gemeinsamen Herrschers sich auch äußer- 464
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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