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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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daß ich mir meines Rechtes vollauf bewußt sei. Was der Minister dann tatsächlich vortrug, istmir unbekannt. Als nach vierzehn Tagen keine Antwort kam, ersuchte ich ihn schriftlich um Aufklärung und wiederholte mein Recht in verbindlicher aber entschiedener Form. Der Minister legte diesen an ihn gerichteten Brief dem Kaiser vor und antwortete mir dann, daß ,,Seine Majestät nichts zu befinden geruht habe". So wendete ich mich nun an den Kaiser selbst und verfaßte eine Niederschrift, darin ich in gedrängter Kürze auf meine Tätigkeit als Minister und Armeeführer hinwies, die vollkommene Grundlosigkeit meiner Amovierung sachlich beleuchtete und die gegen mich abgeführte Untersuchung darlegte. Auch alle sonstigen Vor- kommnisse brachte ich zur Sprache, um dem jungen Monarchen möglichst über alle iMomente Aufklärung zu geben, die ein Motiv zu Klatsch und Verleumdung bilden konnten. Es fanden sich drei hohe Persönlichkeiten, die die Vermittlerrolle übernehmen wollten, ein Kirchenfürst, ein kaiserlicher Prinz und eine Dame der Hocharistokratie, da der Brief auf legalem und normalem Weg doch niemals in die Hände des Kaisers gelangt wäre. Alle diei hohen Interpreten erfuhren aber die starrste und entschiedenste Negation. Es gehört zu den Eigentümlichkeiten zäsarischer Auffassung und daraus resultierenderWillensstarrheit, sich nichtüberzeugen zu wollen, wenn dies den inneren Stimmungsmomenten nicht entspricht. Tritt dann noch Mangel an Erfahrung, bedingt durch große Jugend, hinzu und überdies ein Erziehungs- und Werdegang, wobei Äußerlichkeiten, sowie stramme Präzision in kleinlichen Ausführungsdetails das meri- torische Kernerfassen überwuchert hatten, so kommt es vor, daß an momentanen Eingebungen leidenschaftlich festgehalten wird, um sich der Gefahr zu entziehen, überlegen zu müssen und letzten Endes vielleicht einem eigenen Erkenntnisfehler auf die Spur zu kommen. Inzwischen erfolgte ein Revirement unter den Hochfunktionären. Statt ^IonLenuo\-o kam Hohenlohe, statt Eanckoronski Berchtold, an Stelle Dr. Koerbers Clam-Martinic^). Die Reihe der militärischen 1) Graf Clam-IMartinic leistete bis November 1917 Truppendienst in ganz vorzüglicher \\^cise, dann wurde er Ackerbauniinister und wenige Wochen darauf Ministerpräsident. Seiner PoHtik schwebte die Wiederherstellung ver- fassungsmäßiger Zustände als leitendes Ideal vor. Doch wollte er vorher— unter stillschweigender Zustimmung maßgebender Parteien—im Verordnungs- wege die deutsche Staatssprache einführen, den deutsch-böhmischen Ausgleich regeln und die Autonomie Galiziens, diese selbstgeschaffene stachelige Frage, ordnen. Sogar die Geschäftsordnung des Parlaments sollte in dieser Weise beiden Häusern zugestellt werden— wohl die tiefgreifendste Auswertung des berühmten und berüchtigten § 14. Ein staatsrechtlicher Eingriff, der gewiß vonden besten Intentionen begleitet war,um die pernitiösenFragensixmm.arisch 466
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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