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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Ich wiederhole, daß dies vor dem Eintritt der Katastrophe unserer Monarchie geschrieben und veröffentHcht wurde. Der Eindruck, den die russischen Ereignisse hervorriefen, war auf der ganzenWelt einaußerordentlich mächtiger, und plötzlich war das Sclilagwort ,,Demokratisierung" in allerMund. Die wenigsten wußten eigentlich so recht, wie dieser Gedanke sich in dieTatumsetzen sollte, undman war sich nicht klar über die Wege, die dahin führen könnten. Hierdurch ergriff auch bei uns die obersten Kreise eine große Be- klemmung, und diefortgeschrittenstenTräger des demokratischen Ge- dankens bekamen jetzt die Oberhand. Deren Wortführer, die Ab- geordneten Pernerstorffer^), Renner, Ellbogen, Seitz, Leuthner, Glöckl usw. entwickelten eine heftige Friedenspropaganda, die sogar halboffiziell anerkannt wurde, und monatelang lag die Vertretung unserer äußeren Interessen in stillschweigender Abmachung zu gutem Teil in ihrer Hand. Einige Zeit hatte es auch wirklich den Anschein, als ob auf einer Stockholmer Konferenz alle Führer der sozialistischen Parteien einen Friedensschluß oder zum mindesten eine wesentliche Friedensannäherung zustande bringen würden. Damals fühlten sich die Sozialisten als führender und bestimmender Faktor und gewannen — speziell in den Mittelstaaten— eine Autorität, die zur Quelle jener Macht wurde, die sie sich in den späteren Stadien des Krieges an- eigneten. Zur Konferenz kam es aber damals nicht. Das heißt, sie blieb ein Rumpf, weil sich die Vertreter der Ententestaaten gar nicht beteiligten, und über allgemeineDissertationen, überVerständigungs- und Versöhnungsfrieden, als dessen Antipoden der Sieg- und Schwert- frieden entgegengestellt wurde, kam man nicht hinaus. Das natio- nale und staatliche Gefühl war bei den Sozialdemokraten mit Aus- nahme jener in Österreich zu stark entwickelt, um die ungeheuere Diskrepanz dergegenseitigenKriegs-undFriedensziele zuüberbrücken. Das Schicksal der einst mit so großen Worten angekündigten 2. Inter- nationale war damit schon damals entschieden, wenn der formale Zu- sammenbruch auch erst 1920 erfolgte.— All die gewaltigen Ereignisse, die die Welt im I^aufe des zweiten Teiles des fürchterlichen Dezenniums 191G—1920 durchtobten, ge- 1) Mit Pernerstorffer, dem Senior der österreichischen Sozialdemokratie, war ich im April 1917 durch einen Briefwechsel anläßlich einer von ihm ver- faßten Satzschrift bekannt geworden. Ich besuchte den greisen Politiker wiederholt und fand an ihm einen außerordentlich ruhig denkenden, nichts weniger als revolutionär angehauchten Mann. Mit großer Entschiedenlieit brachte er seine deutsche, stramm fortschrittliche Gesinnung zur Geltung. Über die Friedensziele dachte er höchst objektiv imd durchaus nicht weich. Sowar er beispielsweise derAnschauung, daß Belgradmiteinementsprechenden Anterrain behalten werden solle. Wenige jNIonate später wurde dieser in seiner Art ausgezeichnete Mann zu Grabe getragen. 474
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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