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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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höchst bedrohlich erschienenen Krawalle inWienund anderen Städten Österreichs, der sich breit präsentierende, von imperialistischen Aspi- rationen durchsetzte Egoismus Ungarns, die die Weltrevolution an- strebende, durch Tücke verschärfte Verhandlungsweise der russischen Vertreter, die Eroberungssucht Bulgariens, dies und vieles andere schufen ein Resultat, das zwar keinemSieg-, noch weniger aber einem Verständigungsfrieden gleichkamund dann durch die Ereignisse völlig weggeschwemmt wurde. Darüber zu schreiben ist wohl hier nicht der Platz, Eine generelle Skizze hierüber findet sich in Czernins Werke ,,Im Weltkriege". Meine Anschauungen über das System der Friedensverhandlungen, wie ich sie auch in jener Zeit einem einst vielgenannten Diplomaten darlegte, lassen sich in folgendem zusammenfassen. Ich sagte: Die Mittelmächte sollten den Frieden nach dem gleichen Grundsatz wie den Krieg führen, nach dem— der Verteidigung. Es sollten ihnen daher keine aggressiven, keine Eroberungsziele vorschweben, weil es solche für sie eigentlich auch gar nicht gibt. Schon Bismarck be- zeichnete sie ,,als saturierte Staaten". Man muß mit der Tatsache rechnen, daß nach Eintritt Nordamerikas in den Krieg die Kraft- komponenten fast wie i : lo stehen, wobei die Untersuchung müßig wäre, ob dies so kommen mußte. Unter diesen Umständen be- deutet aber für die Mittelmächte eine partie remise schon den größten moralischen Triumph, der sich gewiß selbst ohne Annexionen und sonstige Zwangsmaßregeln auch wirtschaftlich geltend machen würde, weil erhöhtes politisches Prestige stets auch den wirtschaft- lichen Aufschwung nach sich zieht. Es klingt vielleicht banal, dürfte aber doch ein richtiges Vergleichsbild bringen, wenn ich sage, daß zwei Wanderer, die im Walde von einer Überzahl überfallen werden, auch nicht an Beute, sondern nur an das Zurückwerfen oder Nieder- schlagen ihrer Gegner denken können und in der Tatsache des Ge- lingens den einzigen, doch auch größtmöglichen Erfolg erblicken müssen. Gerade die ersten Friedensschlüsse müssen den besiegten Feinden möglichst leicht gemacht werden, denn dieses Beispiel zöge dann wahrscheinlich; die ,,strafende Gerechtigkeit" aber möge man dem Herrgott überlassen.— Noch zweier politischer Vorkommnisse jener Zeit sei hier gedacht. Eines militärischen Kronrates und der letzten Delegationssession im sterbenden Staate. Jener Kronrat— er fandamTage der Delegationseröffnung statt— hätte in seinen Folgen von tiefgehendster Bedeutung sein können, wenn dann der Umsturz nicht ohnedies alle Pläne und Beschlüsse weggefegt hätte. Es wurde dabei nämlich die vollständige Teilung 480
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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