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Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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archen, nochmehr aber die ehrsüchtigeKaiserin-Königinganzauf ihre Seite zu ziehen, um. sie ihren äußersten, separatistischen Wünschen gefügig zu machen. Die Klerikalen hingegen wollten in der Krise als ,,Retter in der Not" erscheinen, um dann bei günstiger Gelegenheit ebenfalls ihre Rechnung zu präsentieren. Und als kurz darauf die sensationelleMär von der Neigung der Kaiserin Zita zur italienischen und französischen Nation die Runde in der ganzen Monarchie machte und durch beweiskräftige Detaüs auch illustriert wurde, gab's an allen Orten und bei allen möglichen und auch unmöglichen Gelegen- heiten symbolische Kanzelreden und Konferenzen, in denen gegen die Gerüchte gewettert wurde. Zwei Wochen später, nachdem die Piaveschlacht ein so beklagens- wertes Ende genommen, flatterten urplötzlich ebenso häßliche wie unglaubliche Gerüchte auf, die speziell die Person der Kaiserin in ihren Bann zogen. Sie waren gewiß unwahr, waren aus der ver- wirrten Volksseele geboren, der zum Bewußtsein kam, daß man ihr beständig die Wahrheit verschwieg, einer Volksseele, die sich in ihrer Bedrängnis nicht mehr auskannte. Die Vorbereitungen und die ganze Anlage der Schlacht waren doch so unzulänglich und wenig geschickt, daß es dem Gegner nicht schwer werden konnte, die großen Züge rechtzeitig zu erkennen. Anderseits hätte aber so eine Kunde nie- mals entstehen können, wenn nicht das Verhalten der höchsten Frau teüs Erstaunen, teils lebhafte Unzufriedenheit hervorgerufen hätte. Ihre wahrhaft schwesterliche Fürsorge just für die italienischen Kriegsgefangenen, das Eintreten für einzelne derselben, die sich dann frank und frei bewegen durften, die wiederholtenBesucheihrer beiden in feindlichen Heeren dienenden Brüder Xaver und Sixtus, das vom allerersten Moment an ostentative Herv^orkehren romanischer Sym- pathien und Gesinnungen, das aus sogenannten Humanitätsrück- sichten erfolgte Eingreifen in taktisch-technische Maßnahmen, dies und noch manch anderes, schuf ein Stimmungsmilieu, in dem solche Gerüchte leicht entstehen und sich noch leichter fortsetzen konnten. Schließlich flauten auch diese Gerüchte ab, ohne ernste Konse- quenzen zu zeitigen, doch die große, rückhaltlos gebotene Liebe und Verehrung, die in den ersten Monaten das ganze Reich für das junge Herrscherpaar beseelt hatte, war bis auf den letzten Rest aufge- braucht. Da fruchtete kein Aufforstungsversuch, so daß dann der einsetzende Orkan über gänzlich entlaubten Karstboden rasen konnte. Nun kam die große vom Armeeoberkommando geleitete Piave- offensive. Sie repräsentierte sich gewissermaßen als ein strategisches Verlegenheitsmittel. Im entscheidenden Räume, in Flandern, hatte 487
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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