Page - 487 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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archen, nochmehr aber die ehrsüchtigeKaiserin-Königinganzauf ihre
Seite zu ziehen, um. sie ihren äußersten, separatistischen Wünschen
gefügig zu machen. Die Klerikalen hingegen wollten in der Krise als
,,Retter in der Not" erscheinen, um dann bei günstiger Gelegenheit
ebenfalls ihre Rechnung zu präsentieren. Und als kurz darauf die
sensationelleMär von der Neigung der Kaiserin Zita zur italienischen
und französischen Nation die Runde in der ganzen Monarchie machte
und durch beweiskräftige Detaüs auch illustriert wurde, gab's an
allen Orten und bei allen möglichen und auch unmöglichen Gelegen-
heiten symbolische Kanzelreden und Konferenzen, in denen gegen
die Gerüchte gewettert wurde.
Zwei Wochen später, nachdem die Piaveschlacht ein so beklagens-
wertes Ende genommen, flatterten urplötzlich ebenso häßliche wie
unglaubliche Gerüchte auf, die speziell die Person der Kaiserin in
ihren Bann zogen. Sie waren gewiß unwahr, waren aus der ver-
wirrten Volksseele geboren, der zum Bewußtsein kam, daß man ihr
beständig die Wahrheit verschwieg, einer Volksseele, die sich in ihrer
Bedrängnis nicht mehr auskannte. Die Vorbereitungen und die ganze
Anlage der Schlacht waren doch so unzulänglich und wenig geschickt,
daß es dem Gegner nicht schwer werden konnte, die großen Züge
rechtzeitig zu erkennen. Anderseits hätte aber so eine Kunde nie-
mals entstehen können, wenn nicht das Verhalten der höchsten Frau
teüs Erstaunen, teils lebhafte Unzufriedenheit hervorgerufen hätte.
Ihre wahrhaft schwesterliche Fürsorge just für die italienischen
Kriegsgefangenen, das Eintreten für einzelne derselben, die sich dann
frank und frei bewegen durften, die wiederholtenBesucheihrer beiden
in feindlichen Heeren dienenden Brüder Xaver und Sixtus, das vom
allerersten Moment an ostentative Herv^orkehren romanischer Sym-
pathien und Gesinnungen, das aus sogenannten Humanitätsrück-
sichten erfolgte Eingreifen in taktisch-technische Maßnahmen, dies
und noch manch anderes, schuf ein Stimmungsmilieu, in dem solche
Gerüchte leicht entstehen und sich noch leichter fortsetzen konnten.
Schließlich flauten auch diese Gerüchte ab, ohne ernste Konse-
quenzen zu zeitigen, doch die große, rückhaltlos gebotene Liebe und
Verehrung, die in den ersten Monaten das ganze Reich für das junge
Herrscherpaar beseelt hatte, war bis auf den letzten Rest aufge-
braucht. Da fruchtete kein Aufforstungsversuch, so daß dann der
einsetzende Orkan über gänzlich entlaubten Karstboden rasen konnte.
Nun kam die große vom Armeeoberkommando geleitete Piave-
offensive. Sie repräsentierte sich gewissermaßen als ein strategisches
Verlegenheitsmittel. Im entscheidenden Räume, in Flandern, hatte
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Title
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Subtitle
- Eine Lebensschilderung
- Author
- Auffenberg von Komarów
- Publisher
- Drei Masken Verlag München
- Location
- München
- Date
- 1921
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.4 x 21.6 cm
- Pages
- 536
- Categories
- Geschichte Nach 1918