Seite - 490 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Die in ihrer Art einzig dastehenden, von Maria Theresia und Kaiser
Franz I. unterfertigten Statuten dieses Ordens setzten fest, daß er
nicht als Ausfluß der Gnade, sondern auf Grund des Antrages eines
Ordenskapitels verliehen werde, dem zur Beurteilung ein mit Zeug-
nissen belegtes Gesuch des Ordenswerbers vorzulegen war. Dieser
Orden ruhte also eigentlich auf demokratischer Basis und — ein
gerechtes, unparteiisches und unbeeinflußtes Urteil des Kapitels vor-
ausgesetzt— qualifizierte er sich als ein Recht, das sich jeder Offizier
auf Grund erwiesener Leistungen erwerben konnte. Maria Theresia
und ihr Berater, Graf Kaunitz, hatten da ein geradezu klassisches
Beispiel von vorurteilsloser Bewertung wirklicher militärischer Ver-
dienste geschaffen. In keinem Staatsakt wurde in derart manifester
Weise der kaiserliche Wille zum Ausdruck gebracht, daß nur die
Tat ohne ,,Rücksicht auf irgendwelche andere Umstände" den An-
spruch zu verleihen habe. Überdies gelangen hierbei in dem Statut
die, namentlich für die damalige Zeit, bezeichnenden Worte zum
Ausdruck: ,,daß Wir uns selbst die Hände zu binden gnädigst be-
schlossen haben." Und wieder verbis expressis wird in den Statuten
weiter gesagt, ,,so beladet sich derjenige mit schwerer Verantwortung,
welcher aus Leidenschaft, Mißgunst oder anderen Nebenabsichten
. . .
seine Bestätigungsunterschrift dem Ordenskandidaten verweigert."
Sowie:
,,. . . ob sie nach ihrem Gewissen, nach ihrer Pflicht gegen
Gott und Uns die Richtigkeit der Tat und der angeführten Um-
stände als Männer von Ehre bestätigen können oder nicht ..."
Auf Grund dieser Statuten war ich um Verleihung des Ordens ein-
gekommen : '
a) für die Schlacht bei Komaröw,
b) für die aus eigener Initiative und auf ausschließlich eigene Ver-
antwortung bewirkte Aufstellung der 30,5-Automörserbatterien.
Ich war von der Ordenswürdigkeit dieser beiden Taten vollkommen
überzeugt und brauchte mich dabei gewiß keiner Unbescheidenheit
zu zeihen. Und ebenso dachten wohl auch die maßgebendsten Stellen,
nur fürchteten sie, daß—nach all den ganzen gegen mich begangenen
unsagbaren Mißgriffen— die Ordensverleihung als Selbstdesavouie-
rung hätte angesehen werden können. Daher entschloß man sich,
diese Verleihung unter allen Umständen hintanzuhalten. Dazu be-
diente man sich eines Mittels, das man in seiner Art klassisch nennen
kann, und das aller Wahrscheinlichkeit nach in der kaiserlich und
königlichen Militärkanzlei ausgeheckt worden war.
Mitte Februar wurde mir nämlich vom Kriegsminister eine Note
verlesen, die die Mitteüung enthielt, daß auf kaiserlichen Befehl im
geheimen eine ehrenrätliche ad hoc-Kommission zusammengetreten
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Eine Lebensschilderung
- Titel
- Aus Österreichs Höhe und Niedergang
- Untertitel
- Eine Lebensschilderung
- Autor
- Auffenberg von Komarów
- Verlag
- Drei Masken Verlag München
- Ort
- München
- Datum
- 1921
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.4 x 21.6 cm
- Seiten
- 536
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918