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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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der neun Nationen, das überstrahlt war durch ein heißes Empfinden für Österreich-Ungarn, das wieder gekrönt wurde durch eine wahr- haft religiöse Verehrung für den Träger der Krone als obersten Kriegsherrn. Man mag es einen Denkfehler nennen, daß der österreichische Offi- zierSymbol— Monarch— und Wesen— Staat— verwechselteund dem ersteren jene tiefgefühlte Weihe widmete, die nur letzterem ge- bührte. Doch man bedenke, daß just dieser Denkfehler durch mehr- hundertjährige Erziehung großgezogen wurde, ja sogar einen Teil der Staatsidee bildete. Und schließlich ist ja die ethische Grundlage dieser lyehenstreue um nichts geringer zu werten, als jede andere Treue, die bis zum Tode.hält. Es ist bezeichnend, daß der Wahl- spruch der so ganz spezifisch altösterreichischen Militäranstalt, der Theresianischen Neustädter Akademie, eben ,,Treu bis in den Tod" lautete. Treu vor allem jener eigenartigen, auf Pflichtgefühl auf- gebauten Heeresideologie, die in dieser militärischen Pflanzstätte einen ihrer festesten Anker besaß. Diese Treue wurde aber wenig belohnt. Wo immer der Offizier hinkam, blieb er ein Fremdling im eigenen Land und fand meist nur eine kühle, frostige Aufnahme, ja häufig eine direkt feindselige Stim- mung und nur ab und zu ein herzliches Entgegenkommen. Darin machte keine der Nationen des alten Reiches eine Ausnahme, Auch die Deutschen nicht, obwohl fast drei Viertel des Offizierkorps deut- schen Stämmen entsprossen. Alle nichtdeutschen Nationen wollten in ihm nur den Unterdrücker und Germanisator sehen, wofür just der Offizier so gar keine Veranlagung besaß. Denn bei all seinem warmen Empfinden für Vaterland und Heimat war und blieb der österreichische Offizier anational. So erklärte sich's auch, daß in diesem von politischen Strömungen und Gegenströmungen wahrhaft durchsetzten Reiche der Offizier und hierdurch die Armee bis zum letzten Ende unpolitisch blieben. Es streift dies beinahe an ein Wunder, war aber für den Staat, in seiner polyglotten Zusammen- setzung, namentlich aber für die Dynastie, ein wahres Glück, ja die mächtigste Wurzel des Bestandes, Darumnahmman auch denNach- teil gern in Kauf, daß der Offizier, auch der höhere, den politischen Geschehnissen weltfremd gegenüberstand. Stets karg besoldet, und— von wenigen Kavallerieregimentern abgesehen— den minder oder gar nicht bemittelten Ständen ent- stammend, also von den gedeckten Tischen des Lebens meist recht weit abstehend, führten die Offiziere, vor allem in den vielen ent- legenen Grenzstationen, ein höchst bescheidenes, zurückgezogenes Leben, das vornehmlich nur nach des Dienstes ewig gleichgestellter 510
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Titel
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Untertitel
Eine Lebensschilderung
Autor
Auffenberg von Komarów
Verlag
Drei Masken Verlag München
Ort
München
Datum
1921
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.4 x 21.6 cm
Seiten
536
Kategorien
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