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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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Karl Maria Swoboda (1889–1977) 425 terscheidet“, hieß es in der Einleitung zu „Idealismus und Naturalismus in der Gotik“. Unter Anspielung auf Worringers „Formprobleme der Gotik“ lautete Dvořáks abschlie- ßendes Urteil : „So blendend Worringers Beweis auf den ersten Blick erscheinen mag, so verwandelt sich doch bei näherer Betrachtung sein Ausgangspunkt, eine a priori existie- rende, der Wirklichkeit und daher auch jedem Naturalismus feindlich gegenüberstehende ‚gotische‘ Konzentration der Kunst der neuen Völker auf Momente der übersinnlichen Ausdruckssteigerung in eine willkürliche Konstruktion, die […] dem komplizierten his- torischen Sachverhalte gegenüber noch phantastischer ist als die abstrakten Stilbegriffe der Romantiker“.65 Die mit Dvořáks Namen unlösbar verbundene „Geistesgeschichte“ konnte kaum ernsthaft um unhistorische Dimensionen erweitert werden. Swobodas Zielrichtung bediente vielmehr mit der örtlichen, geografischen und volksspezifischen Dimension die Interessen der Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften und darüber hinaus des Deutschen Reiches. Im Dienst dieser Interessen wurde ebenfalls das neue „The- oriensystem“ entworfen : „In diesem Bezirk neuer wissenschaftlicher Planung wird aber eine entsprechende Rücksichtnahme auf die neuen Methoden und die Theorien der in Frage kommenden Nachbarschaftswissenschaften, das ist vor allem die Geschichte, die Philologie, die Altertumskunde, aber auch die Völkerkunde, Prähistorie und Anthropolo- gie, notwendig sein“66. Die methodische Modernisierung sollte ebenfalls die angewandte Kunstgeschichte neu strukturieren : „Wäre es nicht richtig, Tabellen der als besonders hochwertig erkannten Kunstwerke systematisch anzulegen und für die Erhaltung dieser Kunstwerke, und zwar nicht nur im materiellen Sinn, sondern auch für die Erhaltung der von diesen Kunstwerken ursprünglich intendierten Wirkungsabsicht, der erkannten großen Qualität entsprechend zu sorgen ? Oder : Wäre es nicht zweckmäßig, Institute zu schaffen, in denen die technischen Möglichkeiten für die Erhaltung, aber auch für die Reproduktion der Kunstwerke zu Forschungs- und Bildungszwecken kontrolliert würden, um sie auf einen, den technischen Fortschritten entsprechenden, möglichst hohen Ni- veau zu erhalten ?“67. Solche „Planung und Ordnung“, „Steigerung des Bewußtseins vom Ganzen, vom Organismus der Wissenschaft, seinen hauptsächlichen Wachstums- und 65 Dvořák, Kunstgeschichte (wie Anm. 10) 47, vgl. Wilhelm Worringer, Formprobleme der Gotik (Mün- chen 1911). Dvořáks Aufsatz „Idealismus und Naturalismus“ war gemäß Magdalena Bushart, Der Geist der Gotik und die expressionistische Kunst. Kunstgeschichte und Kunsttheorie 1911–1925 (München 1990) 20, als Gegenentwurf zu Worringers „Formproblemen“ konzipiert. Dvořáks Opposition zum nationalen Kunst- verständnis wird von Michaela Marek, Kunstgeschichte zwischen Wissenschaft und Dienst am Staat, in : Grenzen überwindend. FS für Adam S. Labuda, hg. v. Katja Bernhardt, Piotr Piotrowski (Berlin 2006) 79–97, hier 89, in Zusammenhang mit der Unabhängigkeit der Wiener Wissenschaftler von nationalen Rück- sichten gebracht. 66 Swoboda, Neue Aufgaben (wie Anm. 13) 22. 67 Ebd.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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