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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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470 Johannes Holeschofsky aber nicht Hantsch wie Srbik zu einem „Gesamtdeutschtum“, und hob er nicht wie dieser die Leistungen der Habsburger für das „gesamte Deutschtum“ hervor ? Bei einer frappierenden Ähnlichkeit des Vokabulars ergeben sich doch unterschiedliche interpretative Kontexte. So schrieb Hantsch über die Entscheidungsschlacht am Kah- lenberg 1683 : „Es war ein christlich abendländisches und vor allem deutsches Ereignis. Aus allen deutschen Gauen strömten Kontingente und freiwillige Kämpfer herbei.“112 Hantsch sah hier einen seltenen Erfolg des Kaisers in seiner tradierten Rolle als Schirm- herr des Alten Reiches, dessen Appell für ein letztes Aufflammen des christlich-abendlän- dischen Gemeinschaftsgefühls gesorgt habe, das gleichzeitig auch ein gesamtdeutsches gewesen sei. Im Übrigen war die vorwiegende Zusammensetzung des Reichsheeres aus Kaiserlichen und Reichskontingenten eine Tatsache. Srbik schrieb dagegen, „Männer aller deutschen Stämme, Katholiken und Protestanten […] kämpften unter der Lehens- und Blutfahne des deutschen Königs“ ; und später : „[…] wenn die Preußen auch nicht da- bei waren, so doch später in Ofen“113. Die Überwindung des konfessionellen Konfliktes als Aufbau eines österreichisch-preußischen Einverständnisses, das machtpolitisch eine unvermeidliche Vorstufe der „deutschen Einheit“ war – dieser wichtige zusätzliche Ge- dankenansatz unterscheidet Srbik und Hantsch selbst bei einer sonst so scheinbar täu- schenden Ähnlichkeit der Begrifflichkeit. Der Hinweis auf das „gesamte Deutschtum“ findet sich innerhalb der damaligen Geschichtswissenschaft eben nicht nur bei Srbik und Steinacker, sondern taucht etwa auch bei Dengel auf, der im Rahmen der Kontroverse um Raimund Friedrich Kaindls Ansichten in polemischer Frontstellung gegen Srbik unter anderem eine „gesamtchristliche“ als „gesamtdeutsche“ Geschichtsauffassung forderte114. Die Ähnlichkeit ist hier ausschließlich eine des Vokabulars ! In der HZ kritisierte Hans Haußherr 1937 einige Fehler in Hantschs Buch und meinte, derartige Schlampereien würden das Urteil „in die Zuverlässigkeit des Verfassers“ doch „bedenklich erschüttern“115. Man müsse sich aber vor Augen halten, dass Hantsch Pionierarbeit zu leisten gehabt habe. „Es gibt noch keine bedeutende Geschichte des Habsburgerstaates“(!). Dann aber rühmte Haußherr die im Ganzen doch ohne weitere gröbere Schnitzer erfolgte Arbeit des österreichischen Gelehrten, deren Vorzüge sich vor allem bei der Schilderung des Zeitalters Josefs I. und Karls VI. erwiesen hätten. Insge- samt aber meinte der deutsche Historiker, es sei beklagenswert, dass österreichische und 112 Hantsch, Entwicklung (wie Anm. 95) 75. 113 Srbik, Deutsche Einheit (wie Anm. 96) 72. 114 Martin Fritz Knorr, Raimund Friedrich Kaindl und die Wiener Schule (Diplomarbeit Wien 1998) 97– 101 ; Alexander Pinwinkler, Raimund Friedrich Kaindl (1866–1930). Geschichte und Volkskunde im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Politik, in : Österreichische Historiker (wie Anm. 33) 125–154, hier 140–146. 115 Hans Haussherr, Rezension von : Hantsch, Entwicklung (wie Anm. 97), in : HZ 155 (1937) 592–594.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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