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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
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500 Wolfram Ziegler ohne Beachtung des historischen Kontextes nach ihrer Rolle, genauer ihrer „Leistung“ für die „deutsche Geschichte“ zu bewerten, als negative Figur skizziert46. Dies fußte nicht zuletzt auf dem sogenannten „Blutbad von Verden“, bei welchem Karl diejenigen Sach- sen, die das Christentum ablehnten, hinrichten ließ. Man sprach daher voller Emotion vom „Sachsenschlächter“ Karl47. Klebel kam allerdings, seiner Themenstellung gemäß, aufgrund institutionengeschichtlicher Überlegungen zu seinem vernichtenden Urteil über Karl und nicht wegen dessen Vorgangsweise bei der Missionierung der Sachsen. Zudem hatte der Heidelberger Mediävist Karl Hampe, der wenige Tage nach Hitlers Machtantritt emeritierte, heftig gegen Rosenbergs Verdikt argumentiert und polemisiert. Hampe setzte sich durch, nicht ohne zu betonen, dass „nur Karls imperiale Politik den Zusammenschluss der Stämme […] und damit die nationale Geschichte der Deutschen begründet“ hätte48. Die Position Rosenbergs war zu dem Zeitpunkt, als Klebel den oben erwähnten Beitrag schrieb (1938), also wohl kein zentraler Bestandteil der seitens des NS-Regimes erwünsch- ten Betrachtung des frühen Mittelalters mehr. Im selben Jahr legte Klebel jedenfalls ein klares Bekenntnis zu einer als deutsche Volksgeschichte zu betreibenden Landesgeschichte ab : „Die Geschichte des Reiches vom Ausgang der Karolingerzeit bis zur Reformation, ja bis über den Dreißigjährigen Krieg, wird also falsch beurteilt, wenn man sie nur als Kaisergeschichte sieht. So große Leistungen wie die Besiedlung des Deutschen Südostens oder der Ausbau der Hanse sind nicht vom Reich, auch nicht von den Herzogtümern der Einzelstämme, sondern zumeist von den kleinen Zellen, den Grundherrschaften und Stadtgemeinden geschaffen worden. […] Es gibt nur einen wirklichen Gegenstand der Geschichte, die Geschichte des Gesamtvolkes, des Deutschen Volkes, seines Werdens von der Germanenzeit her über die zahlreichen Völkerschaften zu den fünf großen Stämmen und von den Stämmen über das Einigungswerk Karls des Großen zur Deutschen Nation […].“49 Im Hinblick auf den Sprachgebrauch der Studien Klebels, finden sich neben der oben zitierten Erwähnung des „gesunden Volksempfindens“ kaum eindeutige weitere zeit- typische Wendungen50. Die Slawen hätten aber, so Klebel, in Kärnten eine gründliche „Vernichtungsarbeit“ geleistet, während sich zuvor „langobardische Einrichtungen und 46 Alfred Rosenberg, Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Eine Wertung der seelisch-geistigen Gestaltenkämpfe unserer Zeit (München 1933) 186. 47 Ernst Schubert, Art, „Verden, Blutbad v.“, in : Lexikon des Mittelalters 8 (München 1997) Sp. 1500f. ; Wil- fried Hartmann, Kaiser Karl der Große, in : Die Kaiser. 1200 Jahre europäische Geschichte, hg. v. Gerhard Hartmann, Karl Schnith (Wiesbaden 2006) 14–41, hier 29. 48 Folker Reichert, Gelehrtes Leben. Karl Hampe, das Mittelalter und die Geschichte der Deutschen (Schrif- tenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 79, München 2009) 266f. 49 Ernst Klebel, Reichsgeschichte und Landesgeschichte (Sonderdruck aus „Unsere Heimat“, Monatsblatt des Vereines für Landeskunde und Heimatbuch von Niederösterreich und Wien 3/4, Wien 1938) 1–4, hier 1f. 50 Siehe Cornelia Schmitz-Berning, Vokabular des Nationalsozialismus (Berlin/New York 1998).
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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