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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 509 -
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Ernst Klebel (1896–1961) 509 Es lag zur Gänze im Ermessen der Behörde, die Lehrbefugnis zu widerrufen. Dieses Er- messen war nur dadurch eingeschränkt, so der Spruch des Bun des gerichts hofs, dass der Widerruf an das Vorliegen wichtiger Gründe des öffentlichen Wohles‘ [ge]knüpft sein musste93. Das Urteil war demnach politisch, sicher nicht fachlich motiviert. Klebel wird im Urteils- spruch zudem in die Nähe des Juliputsches 1934 gerückt, obwohl ihm expressis verbis keine Beteiligung unterstellt wird94. Klebel selbst sah sich nach dem „Anschluss“ jeden- falls als politisch Verfolgten. Der Entzug der Lehrbefugnis sei wegen einer Reihe von Ar- tikeln in den Zeitschriften „Weg“, „Deutsche Einheit“ und „Volk und Reich“ erfolgt, wovon allerdings im Verfahren nicht die Rede ist95. Als Nationalsozialist – und als solcher hatte er sich vor Gericht bekannt – war er nun aber zur Persona non grata geworden. Wie weit Klebels Identifikation mit dem NS-Gedankengut ging, kann nicht gesagt werden. 1938 gibt Klebel an, zwischen 1932 und 1934 politische Berichte nach Deutschland gelie- fert zu haben und führt seine Tätigkeit für den Anschluß seit 1925 in Wort und Schrift und seinen Kampf gegen den Legitimismus an96. Diese Aussagen sind nicht zuletzt auch im Kontext des politischen Umschwungs zu lesen. Klebel hob nun seine politische Tätigkeit im Sinne nationalsozialistischer Ideologeme sehr stark hervor. Allerdings sind einige schon angeschnittene Bereiche, die das persönliche Umfeld Klebels betreffen, hier noch kurz genauer auszuführen. Er hatte frühzeitig Kontakte zu Personen, die in die Verbrechen des NS-Regimes verstrickt waren. Klebels Mitautor aus der Zwischenkriegszeit, Friedrich Wimmer, war 1938 Staatssekretär im Kabinett Seyß-Inquart und Sturmbannführer der SS, seit 1942 SS-Brigadeführer und von 1940 bis 1945 Generalkommissar im besetzten Holland97. Seyß-Inquart, Klebels Anwalt, gehörte als einer der bekanntesten und führen- den Nationalsozialisten zu den 27 Hauptkriegsverbrechern98. 93 Ebd. Zitat fol. 60. 94 Ebd. fol. 61 : Der Bundesgerichtshof musste aber auch beachten, dass es sich um eine infolge der aussergewöhnlichen politischen Verhältnisse notwendig gewordene Vorschrift handelt und dass die belangte Behörde gerade nach den Ereignissen des Sommers 1934 allen Grund zur besonderen Vorsicht hatte. 95 Es ist auch fraglich, ob dies inhaltlich argumentierbar gewesen wäre. In Klebel, Siedlung (wie Anm. 51), argumentiert dieser zwar aus deutscher Perspektive (66 : „Es ist Pflicht deutscher Geschichtsforschung, sie [sc. die Besiedlung der Ostalpenländer] ebenso im geschichtlichen Bewußtsein des Gesamtvolkes zu verankern wie die Taten des Deutschen Ritterordens in Ostpreußen altbekannt sind“), nationalsozialistische Propaganda findet sich hier allerdings nicht. Vgl. auch Gernot Heiss, Von Österreichs deutscher Vergangenheit und Aufgabe. Die Wiener Schule der Geschichtswissenschaft und der Nationalsozialismus, in : Willfährige Wissen- schaft (wie Anm. 91) 39–76, hier 43. 96 ÖSta, AdR, GA Ernst Klebel, fol. 7. 97 Klebel, Wimmer, Chorgestühl (wie Anm. 15). Zu Wimmer siehe Otto H. Urban, „… und der deutsch- nationale Antisemit Dr. Matthäus Much“ – der Nestor der Urgeschichte Österreichs ? Mit einem Anhang zur Urgeschichte in Wien während der NS-Zeit, 2. Teil (Archaeologia Austriaca 86, Wien 2002). 98 Literatur zu Seyß-Inquart in Anm. 91.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
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