Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Seite - 604 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 604 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

Bild der Seite - 604 -

Bild der Seite - 604 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2

Text der Seite - 604 -

604 Michael Wedekind kierte ein solcher Sinnbezug die Unzugehörigkeit des „Raumfremden“, appellierte an dessen Exklusion und somit an den Umbau ethnischer Strukturen. Dieses Element völ- kischen Ordnungsdenkens, versetzt mit zivilisationskritischen Vorstellungen, blieb auch nach 1945 zentraler und nicht selten mit Schärfe vorgetragener Bestandteil in Huters volksgeschichtlichem Diskurszusammenhang46. Seine bevölkerungshistorischen Studien kennzeichneten sich indes zugleich durch ein „volksbiologisches“ Interesse. Die Geschichtswissenschaft sah Huter etwa berufen, den Bevölkerungsschwund in alpinen Höhensiedlungslagen (zunächst in Nordtirol) siedlungs- historisch umfassend zu analysieren und sich der Politik mit planerischen Grundlagen als Ressource für agrarökonomische, agrarsoziologische und rassisch-bevölkerungspolitische Interventionen zur Verfügung zu stellen : „Die Wiederbesiedlung dieser Höhen, denen so viel urkräftiges Volkstum entwuchs“, merkte Huter 1939 mit Blick auf das „Bergbau- erntum“, einem bei ihm durchaus auch rasseideologisch aufgefüllten Topos, an, würde „unserem Volke zweifellos wertvollste Menschen gewinnen“47. Die von Huter gelieferten historiografischen Ordnungskonzeptionen sozialer und geo- grafischer Räume schienen mit der deutschen Okkupation Italiens und der Einrichtung der annexionsorientierten nationalsozialistischen Sonderverwaltung in der Operationszone Alpenvorland, zu der Südtirol mit den Nachbarprovinzen Trient und Belluno zusammen- geschlossen wurde, ihren Realisierungskontext zu finden. An den Sturz des Faschismus und den bündnispolitischen Umbruch in Italien im Sommer 1943 knüpften sich im volks- tumswissenschaftlichen und volkstumspolitischen Milieu Tirols durchaus expansions- und aggressive bevölkerungspolitische Konzepte, in deren Dienst sich auch Huter vom Stand- punkt „völkischen“ Ordnungsdenkens stellte. Hiermit verbanden sich zudem Vorstellungen von Revanche gegenüber den italienischen Fachkollegen und den Exponenten faschistischer Ethnopolitik. Gleichwohl musste Huter in den folgenden Monaten mit Ungeduld und Ent- täuschung gewärtigen, dass die Annexion Südtirols seitens der politischen Führung offiziell nicht vollzogen wurde48. 46 Siehe Franz Huter, Geburtstagsansprache, gehalten am 22. Mai 1946 bei der Feier der Schüler [Hermann Wopfners] im Rahmen der Universität, in : Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde Tirols. FS zu Ehren Hermann Wopfners 1 (Schlern-Schriften 52, Innsbruck 1947) 7–11, hier 11 ; siehe in diesem Zusammenhang auch Alexander Pinwinkler, „Grenze“ als soziales Konzept : Historisch-demographische Konstrukte des „Eigenen“ und des „Fremden“, in : Volks-(An)Ordnung : Einschließen, ausschließen, einteilen, aufteilen !, hg. v. Petra Overath, Daniel Schmidt (Leipzig 2003) 31–48. 47 Huter, Besiedlung (wie Anm. 37) 197. 48 Am 22.03.1944 schrieb Huter aus Bozen an Sievers, es seien ihm jüngst die schlimmen und die schönen Tage des Einsatzes gegen unseren italienischen ‚Freund‘ wieder recht zum Bewusstsein gekommen. Hoffen und glauben wir, dass die Drahtzieher der wahnsinnigen Entdeutschungspolitik die endgültige politische Entscheidung über Süd- tirol im deutschen Sinne bald erleben. BAB (wie Anm. 27). – Drei Tage später merkte Huter an : […] während auf militärischem Gebiete die durch den Zusammenbruch Italiens geschaffene Lage im Alpengrenzraum rasch und
zurück zum  Buch Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2"
Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Band 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Österreichische Historiker
Untertitel
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Band
2
Autor
Karel Hruza
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
678
Schlagwörter
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Österreichische Historiker