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100 Midlesex, und gestern ein mahl, sie hat sich sehr höÀich excusiren lassen, und hat
mich auf morgen bestellet. Sie war auch in der That überhäufet mit Geschäft>en@.
>S. 3@ Campioni weis ich nicht, was er hier mach>en@ werde, er ist magni¿qs, und
hat erst ein>en@ Wechßel von 150 Guinées von seiner P Frauen erhalt>en@. In der
Opera wird Poitier /: den du beym St. Martin geseh>en@ :/ mit der Mademoiselle
Rolain und ihr>en@ Kinder>n@ danz>en@, also ist es vor ihm nichts. Mondags ziehe
ich aus, um °conomie will>en@, und weil der hundsfüt>tische@ Hausherr geg>en@
der Lambert ein Maul gemachte \gehabt./ Im Coffrè wirst du die Brieffe von
Churfeld, und Borosini ¿nden. Der saltinletto id est das abgenähte Stuck \darzu/
ist auch mit. Gott gebe nur daß es bald ankomme, und du mit allem zu frieden,
daß das ist meine einzige Sorge. An meiner Mühe habe ich es gewis nicht erwin-
den lassen. Ach wenn du dir gleichwohl dort was unterdessen wieder die Kälte
auf de>n@ Leibe hättest machen lassen, ich leide hier entsezlich wegen deiner und
dieses stecket mir allzeit im Kopf, und verÀuche den Hausherrn alle Augenblick
dessentweg>en@. Die Green ist wieder besser, aber er richtet nichts mit ihr, und
möchte des Deüfels werd>en@, kan auch den Jung>en@ Menschen ni>cht@ ertappen.
Die Lambert hat er neülich als Kuplerin Canalie tractir>t@ und sie zum Haus hin-
aus zu schmeissen gedrohet. Ich hoffe ja wohl da>ß@ du dir wenigsten Flanelene
Hosen wirst mach>en@ hab>en@ lassen. Eine kommt im Coffrè mit. Ach wie wirds
dir im Theater mit dem Anziehn gehn, und aufkrausen. Arme Mariandl, Gott wird
dirs anderswo wieder einbring>en@, was du ausstehest. Die Miss Ashe, Miss Fränz
und Shadewel sind imer beysamm>en@, und haben neülich beym Graf Haßlan ge-
speiset. Du laße dir nicht den Kopfwehe vertreiben zu meinem Nachtheil, das ist
jezt eine von meinen grösten Sorgen. Schicke mir das Portrait, vieleicht giebt es
ein Frauzimmer, so eine Mahlerin in Hamburg, wo nicht so mache es selbsten.
Indessen küsse ich die Nachbarschaft und das Original 1000 mahl im Gedanken.
Du schreibst nichts daß dir die Bändltücher abgeh>en@, sie kommen auch mit. Ich
küsse dich zu 1000mahlen habe mich lieb, wie ich dich, als der ich bis in meinem
Tod seyn werde Dein getreüer Pirker>.@
Die Rechnung werde ich dir vom Wechßel bis auf ein>en@ Sous schick>en@.
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch eingerissene Ränder und Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Franz informiert seine Frau über die erfolgreiche Auslösung des Koffers und
der restlichen Habe, die er nun teils per Schiff an sie nach Hamburg, teils aber
auch an Mariannes Eltern nach Stuttgart schicken will. Insbesondere ihre per-
sönlichen Gegenstände (Kleidung, Bühnenkostüme) hatte Marianne schmerzlich
vermisst. Nachdem nun der Vermieter Realy den Koffer wieder freigegeben
hatte, bestand für Franz keine Veranlassung mehr, in dem Quartier zu bleiben. Er
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur