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70 und er hierüber nach London geschrieben, /: welches Jozzi selbst \in seinem vor-
lezten/ so an mich gethan, daher ich es auch geglaubt :/ ich solle es kecklich auf
sein Wort das Wiederspiel in London ausstreüen, welches ich aber aus erheblichen
Ursach>en@ wohl bleiben lasse. Es muß doch so seyn, denn Campioni, und Gioseppe
von Tessarini sagen fast das nemliche. Er schreibt mir auch daß die Dicke ihres
Bruders halber müsse von ihm übl gegen eüeren Impressario geredet haben, das
merke er wohl. Unterdessen sind seine Solos unter den Nahmen des Albertis hier
wirklich gedrucket word>en@, und lezten Samstag war es in den Zeittungen, die
Solos \von Signor Albertis, und/ die hier von Signor Jozzi mit so grossen Applaus
wären gespielet worden. Ich habe mit dem Gioseppe gesproch>en@: Er sagt, daß
er im kurzen wieder nach Paris zuruckkehr>en@ werde, und daß die Giacomazzi
ehester Dägen hier eintreffen werde. Die Galli ist endlich von den Coronisch>en@
von ungefehr weggegangen, und Gerichts Leüte habe >sic@ ihre meubles kurz da-
rauf aus der Corona Haus weggebracht. Ihre Schulden hat ein Monsieur, den
ich bishero noch nicht erfahren können, alle bezahlet haben, sie sollen sich bis
gegen 600 lb St>e@rl>ing@ belauffen haben. O fortuna, wie bist du kuglrund, sagte
jener pp Abaco, und Gusman gehen künftigen Freydag wieder nacher Bonn, sie
versprech>en@ mir NB ohne meinen Begehren, ihr bestes zu thun, daß du dorthin
kommest, welches sie auch im Stand zu thun sind. Wir werd>en@ künftig hin
correspondiren. Abaco ist ein Wunder der Natur, und sein spiele>n@ ist fast nicht
menschlich, er hat die ganze Stadt in die lezte curiositè gesezt, und wenn er gewollt
hätte, so würde er nach der Schwere Geld gemacht haben. Er scheret \sich/ aber
um die hiesige Noblesse aber weniger, als ich um einen alten Schuhe. Gusmann
hat mir versproch>en@ die besten Franzos>ischen@ und teütsche Lieder zu schicken,
und an Herrn Porta auf Hamburg zu addressiren, + daß er dir solche nach Coppen-
h>agen@ spedire, + >S. 3@ wenn sie dir einige Dienste thun können. Antworte mir
hierüber alsogleich. Sie haben von Prag aus Brief erhalten, das des Locatelli
seine Opera gut gehe. Ich habe sie bey den Aurettisch>en@ aufgeführet, welches
ihnen und Monsieur Cuck unendlich plaisiret, sie hab>en@ ihnen wie Prinz>en@
aufgewartet. Abaco aber hat sich Air de Cavalier gegeben, und der kleine>n@ ist
Monsieur Gusmann sehr anständig, und ihm mißfällt sie auch nicht. Wenn die
wüste, was er für ein Vogl, wir hab>en@ ihn für eine Jungfer in seinem Wesen und
Aufführung gehalt>en@, er ist aber der angenehmste, und durchtriebnste Hofmann
von der Welt, der es faustdick hinter den Ohren. Hier sagt man, daß Champigni
anstatt des alten als Toscanischer Resident hieher kommen solle. Du wirst dich
wohl einer gewissen schwarzköp¿gt>en@ Comtesse, bey der ich mit der armen
Spanagl gewest, erinneren, eine Coquete, die wir auch im Hamburg im ersten
Wirtshaus angetroffen, und daß \dort/ etliche Of¿ciers mit blossen Degen derent-
weg>en@ übereinander gewest, von der hat Vaneschi ein>en@ horribeln casu>m@
erzehlet, der hier mit ihren Mann vorgegang>en@, weil er im selb>en@ Haus logie-
ret. Es hat sich nemlich >der@selbe ihrenthalb>en@ selbst durch gift umgebracht,
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur