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55 Emp¿ndung mehr von deiner Ehre? solle ich ein Lügner od>er@ Impostore er-
scheinen od>er@ vieleicht deine 2 Brieffe id e>st@ die leztere aufweisen, wo du von
einer Hure, od>er@ >e@b>en@ daß er kein Geld>,@ meldest. Warum hast du dir denn
\ihren/ Brief nicht zum einschliessen, od>er@ selbst auf die Post zu schicken geben
lassen? Was ste>ckt@ >X@ hier für Geheimnis dahinter? Er hat mir, id e>st@ Cheva-
lier Wych bey der Milady Chiester¿eld, so mir ein Compliment auf dich auf-
gegeb>en@, und wo ich mit Comte Saint Germain gespielet, beym Deüfel hohl>en@
geschworen, daß er keinen Brief seit sie in Coppenhagen empfang>en@, ich schwöre
auch beym Deüfel hohlen, daß \wenn/ du mich nich>t leg@itimirest, so zeige ich
ihm deinen ersten Brief, und entdecke a>lles@>.@ Er hat mir auch gesagt, daß ihm
von Hamburg aus geschrieb>en@ s>eye@ word>en@, daß er sie mit dem Gluck ver-
heirathet seye, und daß er ihr vieleicht verbothen habe an ihm zu schreib>en@.
Giebe acht, daß du dein Geld für dein Kleid bekommest, und mache nicht die
complaisante. Meinem Cameraden schreibe einmahl gescheid, wie du vorhin ge-
pÀeget hast, ohne Stichlen, freü>n@dlich, und aufrichtig, denn er ist ohnedem elend
genug, man muß die Leüte nicht z>u@ hoch treiben sonst werden sie desperat. Ich
wolte du >kö@ntest ihm Geld vorschiessen, Gedenke wenn es möglich, entwed>er@
von >d@em Mingotti od>er@ von deinen Regal. Adieu verzeihe mir meinen Eifer,
durch den Courier wirst du ein>en@ längern Brief erhalt>en@, liebe mich, seye mir
nicht unt>reü@ denn ich verdiene es nicht, >de@in dich 1000 mahlen küssen>der@ >X@
deiner Treüe sein, dein bis in Tod getreüer Pirker >.@ >S. 3@ Der Guilaume ist hier
ankommen, er sagt Reginelli gehe nacher Holland. Gehet er dorthin so schlägt er
sich zum Lapis, und verderbt alles, er bringt Brieffe an die Prinzesß dތOranges
von Prinzen Walis. Nacher Brüssel hat der Jozzi auch seintwegen avisirt, daß man
ihm nichts vertrauen solle. Nemmt eürer mesures darnach. Auf Stutgart habe ich
auch seintwegen se deinen Eltern geschrieb>en@ und sie gewarnet, wenn er etwa
dorthin gienge.
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten eingeschränkte Lesbarkeit wegen durchdrückender Schrift auf S. 1/2, Beschä-
digung durch Tintenfraß auf S. 1/2 und Siegelöffnung, untere Hälfte von S. 3/4 aus-
geschnitten.
THEMENKOMMENTAR:
Franz wollte sich auch bei diesem Brief des Kuriers der dänischen Gesandtschaft
bedienen, da er die Befürchtung hegte, seine Schreiben an Marianne würden sonst
in Kopenhagen von missliebigen Zeitgenossen abgefangen und nicht bei der
Adressatin ankommen. Die „Affaire“ um die Auszahlungsanweisung Gaspera
Beccheronis an Wych wird auch in diesem Brief weiter diskutiert. Das Zögern
des Diplomaten wird mit dem lockeren Lebenswandel seiner Mätresse in Hamburg,
insbesondere dem Techtelmechtel mit Gluck , dessen bestellte Uhr (s. undatierten
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur