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70 wobey ich auch umsonst gespielet, gemacht im klein[en] theater, wozu sie die
Hofart verleitet, daß es recht erbarmenswürdig war. Sie ist jedoch aufs Jahr
vom Perticci und Vaneschi aufgenohmen auf das grosse theater. Es ist heüer ein
greülich unglückl[iches] Jahr für die Benef[ice]. Die Frasi /: auf welch[en] Jozzi
mit einem ungemeinen applaus \sich/ hören lassen, indem sie ihm geglatschet so
bald er sich nur sehen lassen wie beyr Ankunft des Königs, od[er] Prinzen von
Wal[es] Er hat unvergl[eichlich] geschlag[en], und allgemein admirirt word[en] :/
hat auch kein allzugutes gehabt, wohl aber die Gali ein treÀiches /: obwohl die
andre \Frasi/ weit mehr gefällt :/ aus Barmherzigkeit der Schulden wegen, so sie
hat. o Engeland Das Mädl von der Friderica, von der jedermann geglaubt, daß
die Leüte wied[er] zuruck geh[en] solt[en], dessentweg[en] sie es auch [S. 2] im
kleinen theater gemacht, hatte auch kaum die Unkosten. Sie hat zwar mit dem
klein[en] 5jährig[en] Jung[en] so auf der Flötte \bläßt/ beym Prinzen gespielt
und 10 Guin[ée] bekomm[en], sich aber so ungebärdig aufgeführt, daß sie wohl
nicht mehr hin kommen wird. Der Prinz Edouard, den sie einen Ruthen Bub[en]
geheissen, war so giftig, daß er sie gedascht hätte, wenn er des Papa und \Mama/
wegen sich nicht geforcht[en] hätte. Die Gambarini hat ein Buch mit Lection[en]
für das Clavier dem Prinz[en] von W[ales] dediciret und magni¿qs einbind[en]
lassen, welches allein etl[iche] Guin[ée] gekostet, dafür aber auch nur 10 \guinee/
bekommen. NB diese hat auch einen Gedank[en] nach Stutgart, welches ich
erfahren. Ich förchte mich entsetzlich des armen Jozzi wegen, denn seine besten
Häuser sind ihm ungetreü word[en], wozu der deüÀ[ische] Reginelli das seine
redlich beygetrag[en]. Er hat aber auch den Schimpf und Spot hab[en] müss[en],
daß ihm die von Renelagh Gart[en] eine[n] ri¿uto gegeb[en], weil er zu wenig
Stimme. Ich weiß seitdem nichts sicheres von ihm. Etliche sag[en], worunter der
Joli, daß er hier künftiges Jahr beym Perticci und Vaneschi sing[en] werde, in
Buffo Opern NB. Alle diese Neuigkeit[en] haben mich zu weit verleitet, daß ich
von den Comissionen zu weit abgekommen. Nun habe ich alles reiÀich überleget,
mir undenkliche Mühe gegeb[en] Geld od[er] Credit aufzubringen /: welches mich
bald in Gefahr gebracht hätte, weil man von mir geargwohnet, daß ich willens
seye durch zu geh[en] :/ beedes war mir also unmöglich, und wenn ich dabey
bedenke, daß ich doch heüt od[er] morg[en] /: wenn es anderst Gott gefällig :/ zu
dir kommen solle, so werde ich alles so für dich selbst mitbringen, für den Signor
Mingotti /: den ich mich schönstens empfehle, und dem Jozzi und ich nechstens
selbst schreib[en] werden :/ kan ich sie, wenn er anderst in Holland gehet
auch selbst bring[en], od[er] gehet er nach Dreßden, so darf er nur in Hamburg
Comission lassen, und mir \solche adresse/ schreiben so kan will ich es mit Ge-
legenheit so bald ich kan schik[en]. Wegen der Turcotti, weil sie sich ohnedem
in Teütschland aufhalt[en] will, so will ich ihrs auch schon so zu schick[en] ent-
wed[er] von Stutgart od[er] Hamb[urg] aus, daß \sie/ es bekommen solle. Hätte
ich von Milord od[er] sonst Geld bekommen, od[er] hättet ihr mir eines geschickt,
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur