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610 Edition der Briefe
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65 mit 400: duc[aten] wieder dißes hat er nicht protestirt, per fare a vicenda con me,
dießes war seine anerbietung, bey Hoffe zu sing[en], hatte ich ihn auch persuadirt,
was soll[en] dann dieße Kinderey[en]? ich ¿nde auch gar nicht von Nöthen daß er
den Ming[otti] vor eine[n] Jean fou[tre] tractirt wie er ihm in seinen Brif schreibt
\heist/, dann Ming[otti] hat es ehrlich mit ihm gemeynet, und ihm gut[en] rath
gegeben, in der Scal[abrinischen] affaire, und wann ich geschrieb[en] er solle nicht
um dießes geld geh[en], so ware es um den spizbübisch[en] Scal[abrini] mehrere
unkost[en] zu machen und kommt mir vor es seye ja allezeit beßer eine[n] galant
huomo, als ein[en] solchen spizbub[en] zu dienen. [S. 3] Nun kan ich ihm absolute
nicht mehr helffen, dann ich habe genug für mich zu thun, und bin alle tage die gott
gibt, mit der Cammer Musick strapazirt, morg[en] werde ich meine Resolution
geb[en] müßen, ich bin zum närrisch werden dann mann will mich jezt schon
hier haben, allein erstl[ich] käme es herauß, als häte ich es nur proforma gesagt,
daß ich engagirt bin, überdieß wann den Ming[otti] die Costi solte abgeh[en] so
könte er ohne mich alsdann keine opern machen. Ich habe dir schon gemeldet daß
die Herrschaft närrisch über mei[n] singen ist, gestern habe ich eine improvisata
gemacht und ein kleines duet und Solo in der Meeß gesung[en], es ware die erste
procession, weil das land steht, obwohln mann es entsezlich übel empfund[en],
und üble folgerung[en] mit sich bring[en] wird, doch ist es gescheh[en], den Nach-
mitag bey der Kammer Musik bedanckte sich der Herzog sehr vor dieße ¿nesse
so ich ihm gethan Die verwittibte Herzogin welche mich zum erst[en] mal getha
gehört, ware außer sich, en¿n Gott gebe was er will, es sind schon 4. täg daß mann
mir 1200 À. offerir[en] laßen, ich bin aber auf 1500 beruhet, morg[en] werde die
Resolution hören, es versteht sich aber wann du komst mann dir aparte Besoldung
geben wird, mann will dich aber vorhero hören. letzhin hat die louisia bey Hof
eine aria recht gut gesung[en], beede \Kinder/ hab[en] gespiehlt auf d[em] Clavier,
sie sind beede bey mir allhier in vagance auf eine kurze Zeit. gott gebe daß dir der
Jozzi das gelt schikt, ich zweiÀe dran. Jozzi ist bey de[m] Monteaulieu sehr in
gnad[en], noch aber ist nichts für ihn zu thun, sondern erfordert seine presence,
sage ihm ja nicht meine Besoldung sondern daß ich nur Hofnung habe in Dienst[en]
zu bleib[en], das unglik ist, daß uns hier ein Contralt absolute abgeht. adieu. Die
Kinder küß[en] dir Händ, von Elter 1000 gruß.
[Nachschrift S. 1 links:] Biß ich von hier nach Hamburg komme, so bist du auch
dort, hast alßo Zeit genug[ ] doch nein zu waßer geht es langsam[.]
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2840, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Marianne kritisiert die Verhandlungsstrategie, die ihr Mann mit und für Giuseppe
Jozzi gegenüber Pietro Mingotti anwendet. Im Kern geht es ihr um die Differenz
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur