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70 eine Dagreise. Basta. [S. 2] Du schreibst die Aloysia verliehrte nichts in 7 od[er]
8 Monath. Allerliebste Marianna tractire diese Sache nicht so leicht, und bringe
das arme Mädl nicht um einen so grossen Schaz. Hätte ich in meiner Jugend von
Tartini, und du vom Porpora gelehrnet, wären wir beede andre Leüte word[en].
Mit ihren Naturel, und was sie schon kan, und durch die Assistenz von Jozzi würde
sie die erste Virtuosin in der Welt werden. Allein läßt du dieses mahl den Jozzi
entwisch[en], so verliehr[en] wir ihn auf allzeit. Du weist nicht, daß wenn er hätte
hier bleib[en] wollen, so hätte er grosse Haüser zu Patronen gehabt, die er erst
leztlich[en] kennen gelernet, und ihn recht so zu sagen mit Thränen von ihn[en]
gelassen, passirt wied[er] aus Disperation das Meer, so ist es aus vor allzeit. Er ist
destweg[en] zu Fleis in Holland, damit man ihm hier nicht mehr so zusezen solle.
Ich habe ihm heüte, und dem Mingotti ausfürlich zugeschrieb[en] und zugeredet
so gut ich gekont, Jozzi, daß er sich mit 400 Du[ca]t[en] begnüg[en] solle, und
das Project so ich Mingotti gemacht, comunicirt, welches ich dir besser unt[en]
sezen werde. Mingotti habe ich gesuchet, daß er ihm 50 zu lege, und daß ich und
du sich ins Mittl leg[en] woll[en], daß nicht alles a monte gehe, und in der That so
du wilst, so kanst du alles richt[en]. Wenn du dem Jozzi schreibst ein wenig mit
guter Art, so ist er ausser sich, und thut alles was du wilst. Schreibe ihm dahero
was du selbst wegen den Vicenda agiren glaubest, und daß er deinetwegen zu Lieb
die 400 Duc[a]t[en] annehm[en] solle, damit wir alle wieder zusammen kommen,
du must auch was sacri¿cir[en], du hast ja dort[en] dein[en] Credit schon gemacht.
Es ist ohned[em] ausser der Welt wie du selbst schreibest, und bevor wenn du
jezt bey Hof in Dienst[en] kan dir dieses kein[en] Schad[en] mehr bringen. Du
cedirst ja kein[en] Fremden sondern dein[en] besten Freünd, gutwillig, ohne daß
dich jemand zwinget, und dort kanst du es der ganzen Welt sagen warum du es
thust, und hernach einem Musico die alzeit den Rang über die Frauen hab[en], für
ihm aber ist es gar zu spötlich und nachtheilig. Und dieses mein Project nur f in
2 Opern, die etwa der Mingotti speciali[ter] pr
sentirt hab[en] möchte. In 2 andern
solst du die 1ma Donna mach[en], welches mir der Mingotti selbst geschrieb[en],
daß er es suchen will so auszumach[en], und in 2 sollst du mit ihm parte equale
hab[en], da er dir den best[en] action Part lassen will, wenn er nur gleiche Arien,
und im Buch in Colonnen dir gleich ist. Es ist ja alles leicht zu accomodir[en].
Schreibe dem Jozzi nachdrücklich und beweglich, und dem Mingotti auch, du
wirst sehen es gehet an. Dem lezt[en] schreibe, daß wenn die Costa nicht daran [S. 3]
wolte, so wilst du auch auf ihr[em] Bene¿ce nicht singen, wenn du den Mingotti
ein wenig drohest, daß \du/ auch schlecht[en] Lust hast, wenn er Jozzi nicht
nimmt, so wird er sich wohl anderst bedenk[en], denn der gute Herr hat ihn gar zu
schlecht und geschwind licencirt, als wann es eine Calvetti wäre. Solten aber alle
Stricke \reissen/, so bringe ihm wenigstens nach Stutgart, und so du die geringste
Hofnung hast, so schreibe ihm, daß er gleich komme weil du noch dort bist. Es
würde allzeit besser seyn, daß du in deiner Abwesenheit dort ein[en] gut[en] und
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Band 1 & 2
- Titel
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Untertitel
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Band
- 1 & 2
- Herausgeber
- Daniel Brandenburg
- Verlag
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Abmessungen
- 21.0 x 29.7 cm
- Seiten
- 1048
- Kategorie
- Kunst und Kultur